Von Fritz Diehl
Pilger-Route wird immer beliebter
Zur Erinnerung an den 1250. Todestag des Missionars Bonifatius besteht seit Mitte 2004 ein Wander- und Pilgerweg, der an den Trauerzug des Jahres 754 anknüpft. Es ist das Verdienst des "Bonifatius-Route-Vereins e.V.", der dieses Ereignis mit viel Engagement und gelungener Öffentlichkeitsarbeit fortbestehen lässt. Man hat es geschafft, eine 180 Kilometer lange Route von der Bischofsstadt Mainz zur Bischofsstadt Fulda in einem Korridor ausfindig zu machen, der die Verkehrswege aus der Antike berücksichtigt und damit dem historischen Verlauf sehr nahe gekommen ist. Da die ursprüglichen schriftlichen Überlieferungen aus dem Mittelalter trotz intensiver Forschung nur spärlich vorhanden sind, hat man den Beginn des Trauerzuges vom Mainzer Leichhof vor dem Dom direkt nach Hochheim vom Bonifatius-Verein vorgegeben. Die in der Geschichte stark eingebundene Gesellschaft für Heimatgeschichte Kastel verwies hierzu nicht nur auf die über 2000-jährige Geschichte des alten Castellums, sondern auch auf die im 2. Jahrhundert bestandenen örtlichen christlichen Verbindungen. Schließlich machte man auch auf die in den ersten Jahrhunderten der neuen Zeitrechnung bestandene "Fahr", eine von Färchern unterhaltene Bootsverbindung auf dem Rhein, aufmerksam, die in der brückenlosen Zeit existierte. Nicht zuletzt lag es der Gesellschaft für Heimatkunde Kastel (GHK) nahe, auf die bereits im 6. Jahrhundert durch den Mainzer Bischof Sadonis erbaute Kasteler Kirche hinzuweisen. Alles Argumente, die dazu beitrugen, die Bonifatius-Route von Mainz zunächst über Kastel als erste Station auf der rechten Rheinseite weiter bis Kostheim und dem Main folgend nach Hocheim zu ergänzen. Mit Einverständnis des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen sowie der Landeshauptstadt Wiesbaden wurde diese Korrektur vorgenommen. An der Reduit befindet sich heute noch eine große Hinweistafel mit dem Bonifatius-Emblem, aber auch die GHK-Stationstafel als erste auf dem Weg nach Fulda. Seit der Einrichtung dieser Route wird sie von Jahr zu Jahr erfolgreicher. Mehrere Tausend Wanderer und Pilger nehmen an Veranstaltungen teil oder wandern in ihrem Urlaub Teile dieser Route. Längst gibt es ein Jahresprogramm des Vereins, der auch besondere Routenteile anbietet. So wurde kürzlich eine Nachmittagswanderung von Mainz nach Hochheim (mit Rucksackverpflegung) angekündigt, die großen Zuspruch erhielt. Nach einem Rundgang durch den Mainzer Dom wurde über die Heuss-Brücke nach Kastel gewandert, wo man sich unter Führung von Ernst Schönmehl vom Museum Castellum und seinen Werten beeindruckt zeigte. Mehrere Veranstaltungsteilnehmer legten im Museum ihre Pilgerkarte vor und baten um den "Bonifatius-Route-Stempel", der auf die erste Station des Pfades in Kastel hinweist. Weiter ging´s in Richtung Kostheim, vorbei an den Weinbergen bis zur Kirche "St. Peter und Paul" in Hochheim. Die 1732 fertiggestellte katholische Pfarrkirche wurde 1775 durch den Maler Johann Baptist Enderle ausgemalt. Die barocken Fresken gehören zu den herausragenden Kulturgütern im Rhein-Main-Gebiet.

