Montag, 13. Februar 2012 06:18 Uhr
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Allgemeine Zeitung

Amöneburg/Kostheim/Kastel 

Sorge vor Diskriminierung

13.06.2007 - KOSTHEIM

Von Norbert Fluhr

Gehörlosen-Kongress in Kostheim / "Handicap, keine Behinderung"

Der Verein "Kultur und Geschichte Gehörloser" (KuGG) hat bei seiner Kulturkonferenz, die im Bürgerhaus stattfand, neue Wege in der Gehörlosenkultur aufgezeigt. In Referaten und Workshops wurde dabei die Bedeutung der praktischen Kulturarbeit im Alltagsleben der Gehörlosen herausgearbeitet. Mensch und Kultur "Deafhood - Audismus -  Deaf Studies" sind Begriffe, die die 4. Jahrestagung des bundesweit 193 Mitglieder zählenden Interessenverbandes bei der Tagung intensiv beschäftigten. Vereinsvorsitzender Helmut Vogel wies in seinem Vortrag auf die Bedeutung des von Dr. Paddy Ladd fokussierten Begriffs "Deafhood" hin. Der Brite hatte sich in seiner Dissertation dem "Positiv-Taubsein" gewidmet, also dem Gesamtwesen des gehörlosen Menschen und seiner Kultur. Dabei habe, so erläuterte Vogel, Ladd in seiner Doktor-Arbeit das konstruktive Lebensgefühl eines Menschen beschrieben, der unabhängig von dem "defizitären Nicht-Hören-Können" die Normalität im Alltag spüre. Im Klartext: Menschen mit einem Hörverlust sind zwar aus medizinischer Sicht gehandicapt, gehen aber selbstbewusst "auf Distanz zu ihrer Behinderung". Kulturarbeit betrifft nicht nur die gehörlosen Kulturschaffenden und Kulturwissenschaftler, sonderen alle interessierten Gehörlosen und Gebärdensprachnutzer, lässt Vogel über Gebärdendolmetscherin Magdalena Meisen den Teilnehmern vermitteln. Der aus Deutschland stammende Dr. Christian Rathmannmann, der an der Universitiy of Bristol Gebärdensprachlinguistik lehrt, versuchte in seinem Referat die Sichtweisen diverser Gruppen in der amerikanischen Gehörlosengemeinschaft im Rahmen des "Deafhood"-Bewegung mit der Geschichte, Sprache, der Kunst, der Forschung und der Politik in Zusammenhang zu bringen. Streit um präzise Inhalte Mit seinen gehörlosen Kollegen hatte der Wissenschaftler auf dem Gebiet der Deaf-Studies vor Jahren begonnen, sich mit den Begriffen Deafhood und Audismus auseinanderzusetzen. Was ist eigentlich Audismus? Eine Frage, mit der das Plenum während des Symposions nicht nur wegen der sinngemäßen Übersetzung des Terminus eifrig diskutierte. Unter Audismus ist demnach eine Bündelung von Ansichten zu verstehen, die dem Hören und Sprechen eine, so die Auffassung der Gehörlosen, zu hohe Wertung beimessen. Dieses Verhaltensmuster gegenüber tauben Menschen könne zu einer Diskriminierung und Ausgrenzung der vermeintlich Behinderten führen, die auf der Kulturkonferenz auf eine präzise Definition des Begriffs drängten. Austausch durch Gebärden Für Vogel werden die tauben Menschen von der hörenden Gesellschaft zumindest beeinflusst. Das zeige sich schon dadurch, dass der hörende Mensch geschockt reagiere, wenn der Nicht-Hören-Könnende "trotzdem funktioniere". Der Hörverlust sei nicht wichtig, so sagte Vogel, denn die Gebärdengemeinschaft könne sich austauschen. Aus diesem Grunde gelte es den medizinischen Begriff "Deafness" (Taubheit) von "Deafhood" als Ausdruck des positiven Taub-Seins zu differenzieren. Sowohl Rathmann als auch sein deutsch-amerikansicher Kollege Hartmut Teuber hätten sich für neue Entwicklungen in der Gehörlosen-Bewegung ausgesprochen, so der Vorsitzende des Interessenverbandes.


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