Montag, 13. Februar 2012 06:18 Uhr
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Allgemeine Zeitung

Amöneburg/Kostheim/Kastel 

Bunte Bilder schmücken Brückenkopf

16.06.2008 - KASTEL

Von Janina Plato

Graffiti-Künstler aus 15 Ländern arbeiten bei "Meeting of Styles" an grauen Wänden

KASTEL Am Wochenende trafen sich in Kastel rund 100 Künstler aus 15 Ländern und drei Kontinenten zum internationalen Graffiti-Event "Meeting of Styles" (MOS).

Eine düstere Bahnunterführung, Rauschen von vorbeifahrenden Zügen und karge, graue Wände - die Gegend rund um den Kasteler Brückenkopf ist der ideale Ort für Graffiti-Künstler, die mit ihren Spraydosen farbige Kunstwerke an die Wände zaubern. Drei Tage lang waren die Wände unter dem Hochkreisel fest in ihren Händen und erstmals bot sich ihnen auch die Chance, eine nahegelegene Hauswand zu besprühen. "Das hier ist ein Weltereignis. Graffiti ist nicht nur Kunst, es ist ein Lebensgefühl, eine Haltung und auch Selbstinszenierung", erklärte Hildegunde Rech, Leiterin der Abteilung für Jugendarbeit im Amt für Soziale Arbeit. Die Stadt Wiesbaden unterstützt die alljährliche farbliche Neugestaltung des Brückenkopfs seit 1998 sowohl finanziell als auch ideell. Auch der Ortsbeirat stellt Geld zur Verfügung; das Kinder- und Jugendzentrum AKK kümmert sich um Verpflegung und bietet den internationalen Künstlern Schlafmöglichkeiten. Die Unterführung wird immer unter einem anderen Leitgedanken bemalt und besprüht. "In diesem Jahr dreht sich alles um Big Dreamers", erklärt Manuel Gerullis, der MOS ins Leben rief. Dass sich nicht jeder an das Motto hielt, war jedoch nicht schlimm, da sich "die Strenge nicht mit der Freiheit der Kunst verträgt", wie Frech betont. Derweil hallt Hip-Hop-Musik durch den langen und hohen Gang. Passanten und Fotografen renommierter Szenezeitschriften begutachten die entstehenden Werke. Auf unzähligen Leitern und Gerüsten tummeln sich die mit Spraydosen und Farbeimern bewaffneten Graffiti-Profis, die mal einem strengen Konzept folgen, mal ihrer Kreativität freien Lauf lassen, so wie der Niederländer "Mash". "Ich sprühe alles aus dem Kopf und so, wie es gerade kommt. Mir geht es um das schöne Bild", erklärt der 39-Jährige seine Vorgehensweise. Bringen die Sprayer Figuren auf die Wand, spricht man von "characters", zeichnen sie einen Schriftzug, so sind "styles" entstanden. "Unser Konzept basiert auf den Jump-and-Run-Spielen, was man auch schon an der dargestellten Landschaft erkennen kann. Ich sprühe jetzt lustige Gesichter, die die Betrachter anziehen und auflockernd wirken", beschreibt die 23-jährige "Meloko" von der professionellen Sprayer-Gruppe "3steps&friends" aus Gießen. Am anderen Ende der Unterführung besprühen Engländer, Italiener und Schweden eine große Hauswand mit Motiven des römischen Kastels. Neben Göttern und einem Aquädukt, grinst jetzt auch das Gesicht von Cäsar hämisch quer über den Brückenkopf in Richtung Mainz. "Die Atmosphäre ist offen, kreativ, friedlich, die Künstler sind vor allem auch neugierig aufeinander", meint Frech, die sich als Dolmetscherin zwischen den zwei Welten von Verwaltung und Kunst versteht. Dass Graffiti-Kunst jedoch umstritten ist und nicht nur auf Zustimmung stößt, müssen die Veranstalter immer wieder feststellen. "Wir müssen die Kritiker der Stadt jedes Jahr aufs Neue überzeugen. Aber ohne die Förderung der Jugendkultur wird es bald nur noch Jugendkriminalität geben", bringt Gerullis seine Meinung auf den Punkt. Frech ist trotz allem guter Dinge, dass das Event auch im nächsten Jahr wieder stattfinden kann: "Es ist nun einmal das Wesen der Kunst, umstritten zu sein."


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