SPD und Linke Liste nehmen Graffiti-Festival in Schutz
zel. An der Graffiti-Galerie unter dem Hochkreisel, die um ein monumentales Sprühbild mit freien Interpretationen von Kasteler Motiven auf einer Hausfassade ergänzt wurde, scheiden sich weiterhin die Geister. Stadtrat Arno Goßmann (SPD) sowie die Stadtverordnetenfraktionen von SPD und Linker Liste traten als Fürsprecher für das internationale Sprayer-Festival "Meeting of Styles" auf, bei dem die Kunstwerke entstanden. Er werbe dafür, dass das Festival auch im nächsten Jahr wieder mit der finanziellen Unterstützung der Stadt rechnen könne, sagte Goßmann nach einer Ortsbesichtigung. Doch entschieden über eine Förderung werde in der Jamaika-Koalition. Es sei wie in einem Museum oder auf einer Kunstausstellung: "Dem einen gefällt´s, dem anderen nicht", sagte der Stadtrat. Kritikern rate er angesichts der überregionalen Resonanz auf das Kunstwerk zu mehr Gelassenheit in der Diskussion. Das Sprayen auf legalen Flächen als Ausdruck künstlerischer Betätigung von jungen Leuten sei für die ganze Kulturszene ein Gewinn. Besonders die assoziationsreichen Motive auf der Hausfassade, die den römischen Imperator Cäsar zeigen, wie er seinen Blick über eine mit einem Teppich ausgelegte Brücke hinweg in die Ferne schweifen lässt, hatten unter den Kastelern erregte Diskussionen ausgelöst. Die SPD-Stadtverordnetenfraktion unterstützte das Kunsttreiben und nahm das Sprayerfestival vor der Kritik der CDU in Schutz: "Freiflächen zum legalen Sprayen müssen bleiben", sagte der jugendpolitische Sprecher Christoph Manjura. Der von der CDU gewählte Vergleich mit Farbschmierereien zeuge von Ignoranz und Unverständnis. Graffiti sei Teil der urbanen Jugendkultur, die Freiräume brauche. Beim Festival "Meeting of Styles" gehe es nicht um die Unterstützung von Schmierereien, sondern um eine Förderung von Jugendkultur. Den Grünen, die heute in der Stadtregierung säßen, wäre vor zehn Jahren nicht einmal im Traume eingefallen, dass sie eine finanzielle Unterstützung von Graffiti durch die Stadt ablehnten. Die Vorstellung, dass das Festival Jugendliche zu illegalen Aktivitäten anspornen könne, sei absurd, sagte der SPD-Vertreter. Hartmut Bohrer, Fraktionschef der Linken Liste im Stadtparlament, nannte die Spraybilder unter dem Hochkreisel die eindrucksvollste Graffiti-Galerie im Rhein-Main-Gebiet. Wenn die CDU nicht in der Lage sei, zwischen illegalen Schmierereien und öffentlich geförderter Graffiti-Kunst zu unterscheiden, zeuge dies von einer intoleranten Grundhaltung. Grüne und FDP als Koalitionspartner müssten der ständigen Diskriminierung der Jugendkunst der CDU entgegentreten. Die diesjährige Sprayaktion sei der Höhepunkt einer erfolgreichen Festivalserie gewesen. Die Ergebnisse seien beeindruckend. Durch die Freigabe von öffentlichen und privaten Flächen habe die Graffiti-Galerie am Brückenkopf an Attraktivität gewonnen.

