Von Wolfgang Wenzel
Stadt setzt zum Ausgleich für Bau der Papierwerk-Zufahrt Ebereschen an Bundesstraße 40
KOSTHEIM Protest haben Winzer haben gegen eine Pflanzaktion in der Weinbergslage Weißerd eingelegt. Dort gestaltet die Stadt die durch den Weinberg führende Bundesstraße 40 zu einer Allee mit Ebereschen um.
Laut Planfeststellungsbeschluss sind sie der ökologische Ausgleich für den Bau der Direktanbindung des SCA-Papierwerks an das Straßennetz. Dafür musste ein Teil der Weißerd-Lage aufgegeben werden. Die Weinbauern fürchteten Qualitätsverluste, sagte der Vorsitzende des Kostheimer Winzervereins, Ernst-Peter Schilling. Bäume, die Schatten würfen, gehörten nicht in einen Weinberg, der von der Sonne durchflutet sein müsse. Die ersten Ebereschen seien bereits an der Einmündung der SCA-Umgehung in die Bundesstraße 40 zu sehen. Schilling räumte ein, dass die Winzer die Tragweite des in den 90er Jahren mit einer Genehmigung abgeschlossenen Planfeststellungsverfahrens für den Bau der Umgehung unterschätzt hätten. Darin seien Baumpflanzungen als Ausgleichsmaßnahmen festgeschrieben worden. Die Winzer hätten es verpasst, fristgerecht Einspruch einzulegen. "Vielleicht hat man das Thema damals doch sträflich vernachlässigt", sagte Schilling. Das sei ein Fehler gewesen. Die Stadt kann nichts Anstößiges an der Baumpflanz-Aktion erkennen. Hier werde ein rechtsverbindlicher Bebauungsplan nachvollzogen, hieß es im Rathaus. Hochheimer Winzer, die ebenfalls in der Lage Weißerd Wein anbauen, hatten in der Vergangenheit offenbar schon alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Versäumnis zu heilen. Einzelne Weinbauern sollen wegen der Bäume entlang der Bundesstraße 40 sogar Eingaben beim Petitionsausschuss des Hessischen Landtags gemacht haben. Der Hochheimer Winzer Gunther Künstler erinnerte daran, dass das Thema Schattenwurf in den zum Landschaftsschutzgebiet erhobenen Mainauen die Weinwirtschaft vor längerer Zeit bewegt habe. Konsequenz sei gewesen, dass im Umfeld der Hochheimer Südstadt Pappeln gerodet und Kaltluftschneisen eingezogen worden seien, damit der Lage "Hochheimer Hölle" die ganze Wärme erhalten bleibt. Was die neue Pflanzaktion an der Bundesstraße 40 beträfe, gehe es nicht nur um das Licht, sondern auch um Bedenken, dass die Ebereschen mit ihren Früchten Scharen von Vögeln anlocken könnten, die über die Reben herfielen. Die Weißerd sei ein junger Weinberg, auf dem erste Gewächse wachsen sollen. Solche kalkhaltigen Böden auf Meereshöhe wie dort kämen nur selten vor. Und Qualitäten mit 90 Oechsle, wie sie von der Weißerd kämen, gebe es im ganzen Rheingau nicht. Betroffen fühlten sich nach Angaben des Kostheimer Winzervereins-Vorsitzenden Schilling rund zehn Weinbauern aus beiden Städten, die die Lage Weißerd bewirtschafteten. Nach Kenntnis Schillings will die Stadt entlang der Straße bis zur Gemarkungsgrenze im Abstand von zehn Metern Ebereschen pflanzen. Bei dem Gebiet handele es sich um eine geschlossene Weinbergsanlage, durch die zwar eine Straße verlaufe, in der jedoch auch die Winzer nicht einmal auf die Idee kommen würden, Hecken anzulegen. Auf das Argument, dass Alleebäume den Kostheimer Stadteingang verschönerten, lasse er sich nicht ein, sagte Schilling. Das Thema werde bei der nächsten Ortsbeiratssitzung am Mittwoch, 13. Februar, um 18 Uhr aufgerufen. Dort wollten betroffene Kostheimer und Hochheimer Winzer mit einem gemeinsamen Auftritt die Stadt dazu bewegen, die Setzaktion an der Bundesstraße 40 zu stoppen und die Ausgleichspflanzungen an einer anderen Stelle fortzusetzen. Kommentar

