Vielfältige Eindrücke
09.09.2010 - KASTEL
Von Norbert Fluhr
DIASHOW Fotoclub Mainz gibt seine Visitenkarte im Kasteler Lilienpalais ab
Vielfältige Eindrücke, aber auch ungewohnte Sinneserfahrungen wollen die Kunstschaffenden beim Stadtteilfestival Kulturtage der Öffentlichkeit vermitteln. Am Dienstag gab der Fotoclub Mainz seine Visitenkarte im Lilienpalais ab: Nach der 50-minütigen Diashow lobte der Vorsitzende des Gewerbevereins, Gert Kleinmann, die „erlesene Qualität der Bilder“ der 20 Fotografen, bedauerte jedoch, dass die präsentierten Aufnahmen nicht in einem Schaufenster in der Mainzer Straße zu sehen seien.
Außerdem regte Kleinmann an, bei der künftigen Auswahl von Motiven ruhig einmal Kastel und Kostheim in den Sucher zu nehmen.
Eine Kritik, den der Vorsitzende des im Jahr 1955 gegründeten Fotoclubs, Bernd Klaue, gerne annahm. Anerkennende Worte fand Monika Fuhrmeister von der Initiativgruppe des Stadtteilfestivals. Ein breites Spektrum bot sich den Gästen, die zuvor am zweiten Rundgang durch die Ausstellung „Kunst im Schaufenster“ teilgenommen hatten: Persönliche Reiseerlebnisse, Portraits, pittoreske Landschaftsaufnahmen und abstrakt ins Visier genommene Bauwerke, die mit dem passenden Ton unterlegt zur Entfaltung der Sinne beitragen. Liebevoll nimmt Claus Hammer bei seinem Sujet „Meer & mehr“ maritime Naturgewalten vor die Linse, das Rauschen der Brandung lässt Urlaubsstimmung aufkommen. Der Jahreszeit voraus ist Dieter Münzenberger, der sich thematisch den „Fahrrädern im Schnee“ gewidmet hat. Eine friedliche Stille vermittelt die Winterlandschaft, in der die Zweiräder sich ihrer Funktionsfähigkeit zu entledigen scheinen. Bizarre Eisgebilde haben sich in den Speichen „verharkt“, und auch die Pedale sind mit einer festen Eisschicht bedeckt. Zum „Frösteln“ sind auch die Aufnahmen von Hans-Günther Wollstadt, der gefrorene Obstsorten visualisiert. „Aufgewärmt“ fühlt sich der Betrachter bei den Bildern von Bernd Klaue, der im Sommer auf dem Markt in Funchal, der Hauptstadt Madeiras“, mit der Kamera unterwegs war.
Ebenfalls in südlichen Gefilden hat sich Frank Maier eingefunden, um eine prächtige Terrassenanlage unterhalb eines Bergrückens ins Bild zu bringen. Thomas Bartsch ließ sich bei seiner Motivsuche am Bodensee von der Naturgewalt des Rheinfalls bei Schaffhausen inspirieren. Beeindruckend sind auch fotografischen „Ansichten“ von Dr. Anja Mielke, die Pflanzenvielfalt von Katrin Kampe und Katrin Hinz sowie die Portraitstudien Monika Sturms. Manfred Hahnefeld filtert bizarre Lichtspiele am Firmament, einen amorphen Charakter vermitteln die „Infrarot“-Aufnahmen Klaus Berkefelds.
Zum Thema Industrie und Zeit nimmt Rudi Kramer ein brachliegendes Industriewerk ins Visier, dessen mit Patina bedeckte Röhren ins Pflanzenreich einzudringen scheinen. Einen morbiden Charme verströmt die Trockenwüste Namib an der Westküste Afrikas, deren Charakteristika Walter Beck optisch verarbeitet hat. Der Fauna und der Flora widmet sich Heimo Gläser: Ein unbeweglich scheinendes Chamäleon, ein flatternder Schmetterling und eine Raupe geben sich ein farbenprächtiges Stelldichein in der Natur.
Motive aus Mainz hat Robin Steege erfasst, während sich Norbert Wagner auf die Fassadenverzierungen von markanten Häusern der rheinland-pfälzischen Hauptstadt fokussiert. Nach Südamerika hat sich Verena Billhardt begeben: Ihr fotogener Blick fällt auf den sich monumental erhebenden Grey Gletscher im Süden Chiles. Impressionen vom Maskentreiben beim Karneval in Venedig hat Berthold Barth farbenprächtig in Szene gesetzt, während Yvonne Menke bei ihrem Sujet „Botox“ ihren Bildern eine straffere Gesichtsstruktur verleiht.

