Mit dem Küchenmesser mitten ins Herz: Polizei sucht nach Täter von Amöneburg
27.07.2010 - AMÖNEBURG
Noch keine Spur hat die Polizei von dem Verbrecher, der am Montag eine 52 Jahre alte Frau in ihrer Wohnung in der Melanchthonstraße mit einem Küchenmesser umgebracht hatte. „Wir ermitteln wegen Tötung“, sagte der Sprecher der Wiesbadener Staatsanwaltschaft, Hartmut Ferse. Die Anklage werde auf Mord oder auf Totschlag lauten. Dies stehe erst fest, wenn der Täter gefasst und die Umstände klar seien, die zu dem Kapitalverbrechen geführt hatten.
Die ganze Nacht von Montag auf Dienstag hindurch setzten Beamte des Erkennungsdiensts der Kriminalpolizei ihre Arbeit in dem Wohnviertel fort und befragten Menschen aus dem Umfeld der Getöteten, die wie ihr 54 Jahre alter Mann die deutsche Staatsbürgerschaft hatte und aus der Türkei kam.
Polizei findet Tatwaffe in Wohnung der Getöteten
Die Obduktion des Leichnams ergab, dass der Täter die Frau mit mehreren Stichen ins Herz umgebracht hatte. Das Küchenmesser ließ der Unbekannte am Tatort zurück, wo es später von der Kriminalpolizei sichergestellt wurde. Am Dienstagvormiitag nahmen die Beamten des Erkennungsdiensts ihre Arbeit in dem Wohnblock wieder auf, wo der Ehemann seine Frau am späten Montagnachmittag entdeckt hatte. Aufschluss über Täter und den möglichen Hintergrund des Verbrechens erhofften sich die Ermittler bei der Befragung von Familienangehörigen, die bald nach der Entdeckung des grausigen Verbrechens an den Tatort gekommen waren. Ein konkreter Verdacht habe sich dabei nicht ergeben, hieß es im gestern verbreiteten Zwischenbericht des Polizeipräsidiums. Der erwachsene Sohn lebt im Haushalt der Eltern in der Melanchthonstraße, die verheiratete Tochter außerhalb.
Sie durften am Montag nicht in die Wohnung und wurden von Polizisten behutsam beiseite genommen, um zu vermeiden, dass durch neue Spuren am Tatort ein verwirrendes Mischbild entsteht. Der Wohnblock war von Polizeiwagen umstellt und in seiner Gesamtheit mit einem Flatterband abgesperrt worden. Zur Sicherung des Tatorts war nicht nur das zuständige 5. Revier aus Biebrich zur Stelle, sondern auch Polizisten des 3. Reviers aus dem Europaviertel eingesetzt. Vor dem Hauseingang redeten Beamte mit Mietern.
Entsetzen in Amöneburg
„Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums, Markus Hofmann. Der Erkennungsdienst brachte ein breites Arsenal von technischem Gerät zum Einsatz, um Spuren zu sichern und auszuwerten.
In Amöneburg löste das Verbrechen entsetzte Reaktionen aus. Nachbarn in dem Wohnviertel standen am Montag betroffen am Straßenrand und rekapitulierten den Tagesverlauf, angefangen vom Lärm, den ein Trupp Gärtner morgens beim Heckenschneiden verursacht habe bis zum Aufschrei des Ehemannes, als er seine getötete Frau entdeckte. Manchen, die diese verzweifelte Reaktion selbst vernommen hatten, lief es noch Stunden danach kalt den Rücken hinunter. Aufgeschreckt worden sei er erst durch wummernde Bässe aus den Boxen eines Autoradios, dann habe er den Schrei gehört, berichtete ein Amöneburger. Ortsvorsteherin Maike Soultana sagte, sie sei geschockt und traurig, dass so etwas im Ort passieren könne.

