ÖKOPUNKTE Bundesweit schwunghafter Handel/Firma Dyckerhoff ist "Öko-Millionär"
/AKK (MK). Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich bundesweit ein schwunghafter Handel mit sogenannten Ökopunkten entwickelt. Solche Punkte benötigen als Ausgleichsmaßnahme all die, die zum Beispiel bei einem Bauprojekt Fläche versiegeln. Anbieten kann Ökopunkte hingegen derjenige, der zuvor eine bislang genutzte Fläche renaturiert hat. Dabei wechseln teilweise hohe Geldbeträge den Besitzer.
Das Umweltamt verwaltet als Untere Naturschutzbehörde nicht nur die eigenen, sondern auch fremde Ökokonten. Das städtische Amt hat nach eigenen Angaben seit Inkrafttreten der Verordnung im Jahr 2005 selbst insgesamt rund 820000 Ökopunkte angesammelt. In vielen Fällen wurden sie an private Bauherren im Raum Wiesbaden verkauft.
Umweltamtsleiter Joachim Mengden nennt dafür zahlreiche Beispiele. Für die große Photovoltaikanlage auf der Deponie verkaufte die Stadt 20000 Punkte aus einem Frischwiesen-Projekt in Kastel. Für den Bebauungsplan Ahornstraße wurden 290000 Ökopunkte gebraucht. Damit finanzierte die Stadt die Renaturierung von Flächen in Breckenheim im Bereich Weidenhof und Schmalwiese. Mehrere Mobilfunkanbieter hätten zudem von der Stadt Ökopunkte für den Bau von Funkmasten erhalten. Finanziert wurden damit ebenfalls Wiesen-Renaturierungen.
Neben dem Umweltamt besitzt auch das Grünflächenamt Ökopunkte. Seit 2005 liefen 420000 auf, knapp 300000 seien bereits verwendet. Die Caritas führt außerdem ein Konto mit 110000 Punkten, ein weiteres Konto mit 430 000 Punkten gehört Hessenwasser. Ökopunkte-Millionär ist die Firma Dyckerhoff. Die hat nach Angeben der Stadt 3,3 Millionen Öko-Punkte, die aus der Renaturierung des Steinbruchs "Kalkofen" im Februar 2008 stammen. Mengden geht davon aus, dass Dyckerhoff ohne den erwarteten Gewinn aus dem Ökopunkte-Verkauf das Projekt kaum in Angriff genommen hätte.
Mengden selbst gibt ebenfalls gern zu, dass zahlreiche Umweltprojekte überhaupt erst durch die Ökopunkte finanzierbar geworden seien. Auch andere Kommunen handeln mit Ökopunkten. Erst kürzlich wurde gemeldet, dass die Stadt Rüdesheim Ökopunkte für den Bau eines Funkmastes bereitstellen wolle. Auch Walluf habe sich an den insgesamt 450000 Ökopunkten auf dem Rüdesheimer Konto interessiert gezeigt.

