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Amöneburg/Kostheim/Kastel 

Finderlohn soll Indern helfen

15.10.2009 - KOSTHEIM

Von Wolfgang Wenzel

BAHNFUND Kostheimer Pensionär hätte gern die ganzen 400 000 Euro für medizinisch-soziale Einrichtungen gestiftet

Als ehrlicher Finder könnte er glatt ein Vorbild für andere sein. "Doch Ehrlichkeit lohnt sich nicht immer", sagt der Kostheimer Pensionär Purendra Gupta zweifelnd. Vor drei Jahren hatte er im WC eines Intercity-Express auf der Strecke von Berlin nach Frankfurt über 400 000 Euro gefunden, als er auf dem Heimreise nach einem Besuch von Freunden war.

Die Herkunft des Geldes blieb unbekannt, Ansprüche wurden keine erhoben. Gupta erhielt von der Bahn einen Finderlohn, eine Summe von weniger als fünf Prozent. Doch die will er nicht behalten, sondern nach Indien schicken, um die im Großraum Neu Delhi tätige sozialmedizinische Station Vikalp zu unterstützen.

Das Wort Vikalp könnte mit "raus aus den Schwierigkeiten" übersetzt werden. "Wer Probleme hat, wird rausgeholt", sagt Gupta. Und darum geht es den Mitarbeitern des Zentrums, die in der indischen Stadt Ghaziabad alkoholkranke und drogenabhängige Menschen auf der Straße aufsammeln, um ihnen zu einem "trockenen" Leben zu verhelfen. Gerne hätte er den ganzen Fund der Rehabilitations-Station gespendet, sagt Gupta, der mit seiner Frau Kamlesh, einer Mal- und Zeichenlehrerin, seit Anfang der 90er Jahre in Kostheim lebt. Neben Vikalp gebe es in Indien noch viele Einrichtungen, die das Fundgeld in seiner Gesamtheit gut hätten gebrauchen könnten. Jetzt bleibe es im Fundus der reichen Bahn AG hängen, für die solche Summen fast ein Klacks seien. "Für die ist dieses Geld gar nichts", sagt der Finder.

Purendra Gupta weiß, wovon er spricht. 1970 kam der in Neu Delhi gebürtige als Tourist ins Bundesgebiet in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Studieren wollte er. Was folgte, war ein Praktikum in einer Papierfabrik in Bayern sowie eine Karriere, die an einen Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär erinnert. "Doch Millionär bin ich noch nicht", sagt Gupta, der seit 1983 deutscher Staatsbürger ist.

Den Weg nach oben gelang ihm über die Einrichtungen der amerikanischen Streitkräfte in Wiesbaden. Zunächst war Purendra Gupta in der Rezeption des früheren Stern- und heutigen American-Arms-Hotel angestellt. Er sah die Drei- und Vier-Sterne-Generäle von Army, Airforce und Bundeswehr ein- und ausgehen. Nicht lange dauerte es, bis er Geschäftsführer des Hauses in der Frankfurter Straße wurde. Dann wechselte Gupta als Verwaltungsleiter auf den Erbenheimer Militärflugplatz. Vor drei Jahren beendete Gupta sein Arbeitsleben und ging in Pension.

Sein Engagement für Vikalp reicht länger zurück als sein Eintritt in den Ruhestand. In den vergangenen zehn Jahren habe er immer wieder mehrere tausend Euro nach Indien geschafft, um das Rehabilitationszentrum zu unterstützen. In den Metropolen im Großraum Neu Delhi herrschten so schreckliche Verhältnisse, wie sie sich Mitteleuropäer kaum vorstellen könnten. Ein Sumpf von Alkohol und Drogen, unzählige Menschen, die auf der Straße lebten: "Sie haben die Leute wieder auf die Beine gebracht, weg von Alkohol und Drogen", sagt Purendra Gupta über die segensreiche Tätigkeit der Mannschaft von Vikalp. 70 Prozent der Gestrandeten lebten "trocken", wenn sie das Zentrum verließen und von Ärzten in der Nachsorge betreut würden. Einmal im Jahr reise er nach Indien und besuche dabei das Rehabilitations-Zentrum in Ghaziabad, das 40 Kilometer östlich von von New Delhi liegt. Zuletzt sei er im Mai dort gewesen, sagt Gupta, der so wohnt, als wären er und seine Frau noch nie woanders als in Kostheim gewesen. Nur eine kleine Statue der Gottheit Ganesha erinnert im Wohnzimmer seiner Eigentumswohnung daran, dass Gupta ein Hindu ist.

Die Diskussion über eine Integrationsunfähigkeit von Einwanderern im Bundesgebiet bewertet er aus einer kritischen Distanz. So viele konservativ eingestellte Türken wie hier habe er in der ganzen Türkei nicht gesehen. Er habe den Eindruck, dass die, die im Ausland wohnten, ihre Heimat stärker liebten als das Land, in dem sie lebten. "Sie leben besser und meckern trotzdem", sagt Gupta.

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