Von Detlef Volk
Hans-Benno Hauf ist Ginsheimer Chronist
Seit Anfang Juni hat Ginsheim-Gustavsburg einen ehrenamtlichen Ortschronisten. Bürgermeister Richard von Neumann stellte nun Amt und Inhaber vor. Die Bestellung Hans-Benno Haufs (56) dürfte keine Überraschung gewesen sein. Der gebürtige Ginsheimer ist hier fest verwurzelt, kennt sich aus. 25 Jahre saß er in der Gemeindevertretung, bis 2006 war er 17 Jahre Erster Beigeordneter. Ehrenamtlich leitet er verschiedene Posaunenchöre. "Natürlich liegt mir das Ortsgeschehen am Herzen", sagt Hauf. Im privaten Arbeitszimmer beansprucht allein die Vereinschronik des evangelischen Posaunenchores gut vier Meter Regalfläche. Der Mann weiß, wovon er spricht. Und schränkt seinen Aufgabenbereich gleich ein. Die aktuelle Ortschronik will er nicht täglich fortschreiben. "Ich bin auch kein Stadtschreiber." Bei der Arbeit, die zunächst als Pilotprojekt auf zwei Jahre beschränkt ist, geht`s ums Archivieren und um Sonderprojekte. Bei Erstellung der Chronik wurde festgestellt, dass es mit der zeitnahen Dokumentation in vergangenen Jahren haperte, sagt von Neumann. "Die Recherche 25 oder 60 Jahre zurück ist schwierig." Hauf sei "mit entsprechendem Wissen ausgestattet". Als Musiker, Politiker, Chorleiter, Mitglied im Heimat- und Verkehrsverein verfüge er über beste Kontakte. Er soll ein Archiv aus Akten, Fotos, Zeitungsberichten aufbauen, das später von Chronisten verwendet werden kann. Jährlich ist ein Bericht zu verfassen. Daten sammeln will Hauf aus allen Richtungen. Das können Personen sein, Vereine, aber auch Tätigkeiten in der Gemeinde seien für die Nachwelt bewahrenswert, etwa die weitere Laufbahn von Kindern, die beim Vorspiel der Musikschule auftreten. Ein weiterer Anlass, das Amt des Ortschronisten zu schaffen, sei der Fund der Frauenleiche in der Ochsenwiese gewesen. Hauf hatte die Untersuchungen geleitet, ist im Hauptberuf Erster Polizeihauptkommissar in Rüsselsheim. Neben der kriminalistischen Ermittlung will er wissen, wer diese Frau war und woher sie kam. Nahe der Fundstelle gab es im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiterlager. Bei der Recherche wurde Hauf schon fündig, entdeckte im Rathauskeller Mainzer Karteikarten über die Vorgeschichte von Menschen. In sechs Kästen sind 3000 Schicksale fein säuberlich in Sütterlinschrift notiert. Nun müssen sie ausgewertet werden. Dabei wurden bereits vier Familien aus der heutigen französischen Partnerstadt Bouguenais gefunden und zu zweien davon Kontakt hergestellt. Die gesamte Auswertung werde wohl zwei, drei Jahre dauern, schätzt Hauf. Vielleicht lässt sich bis zum nächsten Jahr der Kontakt zu den Familien soweit herstellen, dass sie eingeladen werden können. 2009 feiert MAN 150-jähriges Bestehen. "Das wäre doch ein schöner Anlass", findet Hauf.

