Von Christopher Scholz
Matthias Haun gewinnt mit Fotografie den Kunstpreis Eisenturm
Mit 779 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet hat der Kunstpreis Eisenturm auch in seiner 23. Auflage seine Attraktivität unter Beweis gestellt. Die Fotografie "Terrassen" von Matthias Haun ist das Siegerbild des vom Kunstverein Eisenturm in diesem Jahr zum 23. Mal ausgeschriebenen Kunstpreises. Thema war das "Fragment", eine Kunstgattung, die sich einer klaren Definition entzieht: Entsprechend unterschiedlich fielen die Interpretationen der Künstler aus. In der Begründung der fünfköpfigen Jury um den Vorsitzenden des Kunstvereins, Dr. Otto Martin, heißt es, das auf La Gomera entstandene und digital modifizierte Foto von Haun zeige "Fragmente des Bewohnten", eine Szene, die trotz ihrer Bildbegrenztheit über sich hinaus weist. Menschen sind in Hauns Bildern selten zu finden. Der in Bremen wohnende Künstler meidet sie meist in seinen Stadt- und Landschaftsbildern: "Wenn darin Menschen sind, wird es deren Umgebung", sagt er. Er zieht es vor, sie für sich selbst zu erschließen. Dafür reist er viel, die Suche nach Motiven führte ihn allein in den letzten Jahren über die gesamte Nordhalbkugel von Los Angeles bis Tokio. Das Duo "SpringerParker" aus Berlin, das mit den Fotoarbeiten "On Broadway" den zweiten Preis gewann, war nie in New York. Maik Timm und Oliver Schulte haben diese Aufnahmen über eine Webcam bezogen, die live ins Internet sendet. Digital nachbearbeitet, wirken sie wie Filmstills, die zu lange belichtet, aus denen Passagen gelöscht wurden: "Zeit-Fragmente für einen austauschbaren Verkehrsort" heißt es dazu in der Jury-Begründung. Mit einer Art Tryptichon aus vier Tafeln hat Jürgen Daut aus Ingelheim den dritten Preis erlangt: "Gräber", "Kreuzweg I", "Gerät zum Absägen von Stämmen unter Wasser", "Lichtung". In verschiedenen Techniken hat der Kunsterzieher auf Holz ein Konglomerat von Maschinenteilen aus der Landwirtschaft verarbeitet. Bis 7. Januar im MVB-Forum, Neubrunnenstraße 2.

