Szenisches Spiel an Maria-Ward-Schule
syl. "Was Kunst ist, bestimme ich", brüllt Kaiser Wilhelm II. in einem nur mit Kerzenschein beleuchtetem Raum, während düstere Gemälde an die Wand projiziert werden. Schwarz gekleidete Figuren zitieren Werke, deren Titel "Krieg" (Georg Heyn), "Weltende" (Else Leske Schüler) oder "Städter" (Alfred Wolfenstein) heißen und in dramatischer Weise die Folgen des Ersten Weltkrieges und den Aufbruch in die Moderne spiegeln. Solche und ähnlich mystische Szenen erlebten die Besucher des Literaturabends "KUNS-T-RAUM - Ein künstlersicher Kreislauf im Körper der Maria Ward-Schule". Unter der Leitung von Christoph Wirges nahmen sich rund 80 Schülerinnen den Stilrichtungen des Expressionismus und des Dadaismus an. Ein Programm mit Erläuterungen zum Thema gibt es erst am Ende des Abends. Beim Start im Theaterkeller der Schule wissen somit die wenigsten Besucher, was auf sie zukommt. Nur, dass sie sich "vertrauensvoll von kompetenten jungen Damen" führen lassen sollen. So werden die 200 Gäste nach einer kleinen Gedichtsequenz auf fünf Gruppen aufgeteilt, um die Literatur von 1910 bis 2010 im Rotationsprinzip an verschiedenen Stationen zu beginnen. Mit Taschenlampen geht es in fast gespenstischer Atmosphäre durch den historischen Schulgarten. Die Ann-Kathrin Mahling und Katja Oswald führen ihre Gruppe vom alten Musiksaal St. Josef zur Gartenklasse in einen Gewölberaum, wo jeweils schon die jungen Künstler auf ihren Auftritt warten. Durch Kellergänge geht es zum Engelhaus und schließlich wieder in den Theaterkeller. Auch in musikalischen Darbietungen (Leitung: Matthias Warzecha) fand sich der experimentelle Gedanke des Abends wieder. Aus "Zehn Märsche um den Sieg zu verfehlen" zeigten die Schüler eine Kostprobe des kürzlich verstorbenen Komponisten Mauricio Kagel. Als "Gesamtkunstwerk" gilt John Cages Komposition "Radio Music", während der acht Radios gleichzeitig auf verschiedenen und ständig wechselnden Frequenzen abgespielt werden. Mit eigenen Kreationen über den "Organismus Schule" präsentierten die Schüler schließlich auch eigene Textkreationen.

