Von Werner Wenzel
Experten entschärfen in fünf Minuten 250-Pfund-Blindgänger auf der Ingelheimer Aue
Ganze fünf Minuten brauchte gestern am späten Nachmittag Bernd Heuer, Leiter des Kampfmittelräumdiensts, mit seinem Team, um eine 250-Pfund-Bombe auf der Ingelheimer Aue zu entschärfen. In der Nachbarschaft wurde ein Industriebetrieb komplett, ein anderer zum Teil geräumt.
"Hier Kata Mainz 1. Durchsage an alle. Die Bombe ist entschärft. Alle Sperrungen können aufgehoben werden." Donnerstag, Punkt 17.30 Uhr auf der Spitze der Ingelheimer Aue. Jürgen Franz, Leiter des Zivil- und Katastrophenschutzes im Mainzer Ordnungsamt, gibt Entwarnung. Planmäßig. Gut 300 Meter entfernt haben Bernd Heuer und sein fünfköpfiges Team vom Kampfmittelräumdienst eine 2,5 Zentner schwere amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Die Bombe, ein mit zwei Aufschlagzündern ausgestatteter Sprengkörper vom Typ GP 250Pfund sei im Krieg "Massenware" gewesen, sagt Heuer, bis zu acht Tonnen davon, also 64 Stück, hätten die Bomber kurz vor Kriegsende geladen. Wenn solch ein Blindgänger explodiere, so Heuer, "dann können die Fetzen schon mal 1000 Meter weit fliegen". Damit hatte in Mainz auch für den schlimmsten Fall niemand gerechnet. Eine 300-Meter-Zone rund um den Fundort auf einem Gelände der Baufirma Bilfinger + Berger war vor der Entschärfung evakuiert worden. Komplett geräumt wurde das Areal der Firma Quinn Plastics, Stadtwerke-Busse brachten die Beschäftigten aus der Gefahrenzone. Nebenan in der Papierfabrik von Wepa mussten die Beschäftigten sich im nördlichen Teil des Werksgeländes aufhalten. Und auch die drei Bewohner der Häuser auf der Spitze der Aue brachten sich in Sicherheit. Bei den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden durfte innerhalb der Gefahrenzone eine Notbesatzung im Gaskraftwerk den Betrieb am Laufen halten, erklärte Franz. Der Rheinarm zwischen Ingelheimer und Rettbergsaue wurde von der Wasserschutzpolizei ebenso gesperrt wie die Zufahrt zum Zollhafen. Die Unternehmen, erläuterte der für den Zivilschutz zuständige Dezernent Franz Ringhoffer (FDP) vor Ort, blieben auf den Kosten für die Produktionsunterbrechnung sitzen. "Das ist dann eben Pech." Höhere Gewalt. Auch im Falle einer Explosion, so die Einschätzung der Experten, seien weder die Öltanks auf der anderen Seite des Hafens noch die Chemikalien-Tanks von Quinn Plastics in Sichtweite, als weitere Gefahr zu sehen. "Bis jetzt sieht´s gut aus", hatte Heuer kurz vor der Entschärfung gesagt, als der Blindgänger noch in etwa zwei Metern Tiefe lag - in nahezu unberührtem Rheinsand. Mit einem Sandstrahler hatten die Entschärfer die beiden Zünder vom Rost befreit. "Jetzt dürfen sie beim Rausdrehen nur nicht verkanten." Bis zum letzten der sieben Gewindegänge an Kopf- und Heckzünder, so Heuer, könne das passieren. Doch nichts passierte. Glatt drehte Heuer "in fünf Minuten" die beiden Zünder raus, während zwei seiner Kollegen den Sprengkörper festhielten, der gut zur Hälfte mit dem Sprengstoff Trinitrotoluol (besser bekannt als TNT) gefüllt ist. Und außerdem habe man kurz zuvor eine weitere Bombe gefunden, sagte Heuer beiläufig beim Bergen des 5-Zentner-Stücks. Allerdings ohne Zünder. Und insofern völlig ungefährlich. Beide wurden dann abtransportiert. Und dann wird untersucht, warum die Zünder (Heuer: "Innendrin sind die wie neu") nicht funktioniert haben. Womöglich nur, weil sie falsch aufgeschraubt waren, so seine Vermutung.

