Wo Pils und Korn fließen
09.09.2010 - MAINZ
KABARETT Bochumer Frank Goosen sendet auf frech-fröhlicher Welle „Radio Heimat“
(nwz). „Dann denk ich ,Boah, schön is das nich, das musst du wollen‘“, sinniert Frank Goosen, als er sein Publikum auf eine Reise in den Ruhrpott einstimmt. Auch wenn seine Version des Werbeslogans für die Kulturhauptstadt 2010 chancenlos blieb, ist es genau das, was sein Publikum hören will. Zwei Stunden sendet der 44-Jährige im Mainzer Unterhaus auf der frech-fröhlichen Welle „Radio Heimat“. Goosen trägt Jeans und ein Baustellen-Shirt, unter dem Jackett blitzt der markante Ausspruch „Kär, wat ham wir früher malocht“ hervor. Als Requisiten genügen dem Autor und Kabarettisten Stehtisch, Buch, Mimik und Gestik.
Gedanklich sieht der Zuhörer den riesigen Besen vor sich, mit dem der Bochumer vor der eigenen Haustür kehrt. Er berichtet aus einem Land, in dem „nicht Milch und Honig fließen, sondern Pils und Korn“. Die üblichen Klischees versuche er schon gar nicht mehr zu widerlegen. Auch bei seinen Studien zum Regionalcharakter der Menschen erweitert er, wie er selbst sagt, den Begriff von Schönheit und erklärt: „Das Beste fällt mir nicht ein, sondern auf.“ Viele Geschichten hat er mitgebracht von Helden, Laberfürsten und Schrebergartenbesitzern. Ob man will oder nicht - mit diesem nicht besonders höflichen, dafür um so direkteren Menschenschlag komme man schnell ins Gespräch: „Wir sind eben Sprücheklopper“, gesteht er. Die derbe Sprache sei ein Markenzeichen - daher bringt er schon seinen Söhnen bei, sich bloß nicht zu hochtrabend und vornehm auszudrücken. Während er bei anderen älteren Damen an messerscharfe Faltenröcke und hautenge, geblümte Haushaltspellen denkt, kommt Goosens wichtigster humoristischer Einfluss, seine über achtzigjährige „Omma“, sehr gut weg. Auch an seinen Erfahrungen mit Hamburgern, Berlinern oder Bayern lässt er das Publikum teilhaben und gibt einen Einblick in die tiefere Bedeutung von Fußballtrikots und Nummernschildern.
Bei seiner ganz persönlichen Rückschau auf den ersten Schultag mit manchen nicht gerade appetitlichen Details können einige ein Schlucken, Naserümpfen oder lautes „Bäh“ nicht unterdrücken. Auf zustimmendes Nicken und schallendes Lachen trifft er hingegen bei den Erinnerungen an Hitparade, Werbeslogans, Spätfilme und Sendeschluss. Und mitunter liefert er zum „Soundtrack einer Jugend im Ruhrgebiet“ Übersetzungen für Süddeutschland mit.

