Von Andreas Schermer
COMEDY „Nicht gucken - nur Anfassen“ - Hieronymus feiert Heimspiel im Unterhaus
Viele Fußballfans sind ratlos in der Frage nach der Freizeitgestaltung außerhalb der Bundesligazeit. So finden sie sich zur sarkastischen Saisonabrechnung bei ihrem rädelsführenden Leidensgenossen Sven Hieronymus im Unterhaus zusammen, den sie mit klassischen Fan-Gesängen begrüßen. Die Herrschaften der ersten Reihe tragen Vereinstrikots. Natürlich erkennt Hieronymus seine Pappenheimer und beleidigt sie scherzhaft als „Stalker“.
„Nicht gucken - nur anfassen“ heißt das neue Programm. In seiner Anekdotensammlung aus Jugenderinnerungen und dem Alltagswahn eines Mainzers, schwärmt er von Lagerfeuerromanzen und von der ehemaligen Disco Terminus, wo Rockmusik in Überlänge gespielt wurde.
Der Elternstammtisch mutiert zum Power-Point-Trauma, der Heizöl-Tankwagen hat schon einen Anwohnerparkausweis und der verkorkste Satzbau der Jugendsprache besteht aus „Subjekt, Prädikat, Schimpfwort und Alder“.
Im ausverkauften Unterhaus hat Hieronymus unbestreitbaren Heimspielvorteil. Hier funktioniert die Unterhaltungsqualität schon durch die schlagfertigen Neckereien mit dem Publikum („Lachst du oder stirbst du?“). Wenn sich die Interaktionen auf die Spitze schaukeln, erntet er dafür ein „Ui ui ui, au au au“. „Das ist ein echter Meenzer Reflex. Ich wünsche mir, dass ihr alle zu meiner Beerdigung kommt“.
Dann stellt er ein paar Auszüge aus seiner „Fan-Post“ vor. Die ominösen Heirats- und Potenzsteigerungs-Offerten seiner vermeintlichen Anhänger entpuppen sich am Ende als Nachrichten aus dem Spam-Ordner seines E-Mail-Programms.
Vor der Halbzeitpause dann der ersehnte kommentierte Kalauer-Rückblick auf die vergangene Spielzeit: „Die Mannschaft hat gemeutert, weil sie ihre Bildchen vom Spind entfernen musste. Jetzt trainiert Jørn wo Andersen.“ Über Bancés exotischen Schlafkrankheitsbefall sinniert er: „Wo kriegt man denn in Mainz Malaria? Der war doch bestimmt in Wiesbaden!“
„Nicht gucken - nur anfassen“ ist frischer und mit besserer dramaturgischer Finesse als seine bisherigen Aufführungen, denen so mancher Widersacher Phantomscherze attestierte. Wem das nicht gefällt, der kann Sven Hieronymus dafür keine Vorwürfe machen. Schließlich wollte er nie Comedy machen, sondern wurde durch ein Missverständnis in der Programmankündigung in diese am Ende doch nicht unwillkommene Rolle gedrängt: „Ich hab nicht gesagt ich kann’s - ich hab gesagt ich mach’s!“

