Reise durch den Wahnsinn
10.04.2010 - MAINZ
Von Katrin Kuntz
UNTERHAUS TV-Comedy-Klassiker bietet auch auf der Bühne kurzweilige Unterhaltung
Das "verrückte Paar" der späten 70er Jahre waren Harald Juhnke und Grit Böttcher. Die legendären Sketche des Komödianten-Duos kamen damals aus der Feder von Autoren der ersten Comedyreihen wie "Nonstop Nonsens" oder "Klimbim". Juhnkes und Böttchers Sketchreihe, die damals live und mit Publikum aufgezeichnet wurde, avancierte schnell zur Kult-Serie im ZDF.
Nun sind die Comedy-Klassiker auf der Bühne des Mainzer Unterhauses zu sehen. Anette Krämer, Rolf Bidinger, Juliana Rachel Fuhrmann und Jan Schuba vom Theater Hautnah spielen "Ein verrücktes Paar" und begeben sich auf eine erfrischend kurzweilige Reise durch den ganz normalen Wahnsinn.
Mal bissig, mal harmlos, mal unschuldig und immer treffend drehen sie sich um Menschliches und Zwischenmenschliches. Ein Paar streitet sich beim Witze-Erzählen, ein Einbrecher freundet sich mit seinem Opfer an, zwei Rettungssanitäter langweilen sich, wenn kein Blut fließt und die rüstige Firmendirektorin verführt ihren unbedarften Sekretär.
Die blitzlichtartigen Momentaufnahmen bieten amüsante und unterhaltsame Einblick in überspitzte Wahrheiten. Anette Krämer, Dozentin an der Schauspielschule Mainz, brilliert in ihrer Rolle als türkische Putzfrau ebenso wie als entschieden-verzweifelte Lottospielerin, die während eines TV-Auftritts die ungeschönte Wahrheit über ihren saufenden Mann herausplatzen lässt. Auch Rolf Bidinger und Jan Schuba bieten beste Unterhaltung, wenn sie sich bei einer Unterhaltung im Café im Thema Statistik verheddern und Bidinger konsequent den Zahlen folgend schließlich mit jedem Atemzug einen Hundewelpen in China auf die Welt bringen will.
Reizend auch Juliana Rachel Fuhrmann, die sich flirtend ins Zeug legt, um ein zweites Bett in einem belegten Hotelzimmer zu ergattern und dem erfreuten Gast schließlich doch nur ihre Mutter präsentiert. Den Abschluss des Sketch-Abends bildet eine Szene in einem Wellnessbereich. Das Quartett denkt erstmals nach über die Politik und stellt fest, dass man es nicht mehr hören könne. Während Krämer mit Gurkenscheiben auf den Augen unbeirrt meditiert, geraten Bidinger und Schuba in einen handfesten Kleinkrieg über die Frage, wie man am Besten erklärt, warum es Kriege gibt.
Damit wird pointiert noch einmal klar, was das Ensemble des Theater Hautnah mit "Ein verrücktes Paar" auszeichnet: es ist authentisch und nah dran, am ganz normalen Wahnsinn.

