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Theater 

Exotik und Erotik

19.12.2009 - FRANKFURT

Von Andreas Schermer

SPEKTAKEL Gaukler, Schattenspieler, Feuertänzer: Große "India"-Show in Frankfurt

Beflügelt vom allgemeinen Zuspruch seiner Zirkusshow "Africa! Africa!", die mit 3,5 Millionen Zuschauern zum erfolgreichsten Konzept ihrer Art zählt, fand der Produzent Matthias Hoffmann neue Inspiration bei den Tänzern und Gauklern Indiens. In Frankfurt feierte jetzt das opulente Tanzspektakel "India - A journey to the land of mystery and wonders" in einem Riesenzelt zwischen Messe und Hauptbahnhof Weltpremiere.

Als Zirkus-Revue will diese Show natürlich keine sozialen Verwerfungen anprangern, sondern vor allem die Prachtseiten des Landes zeigen. Die Schwere der archaischen Kultur wird als betonte Panorama-Facette in die freche Leichtigkeit einer Las Vegas-Inszenierung erhoben. Das Indien voller Lebenslust, Sinnenfreude und Skurrilitäten.

Großzügig, schön und prachtvoll auf der einen Seite, wunderlich, betörend und verblüffend auf der anderen. Darin ist gewiss auch ein Stück Bollywood zu erkennen, doch "India" ist in erster Linie bemüht, ein authentisches Spektakel für alle Sinne zu sein. Mit Feuertänzern, Affenmenschen, Gauklern und Jogi-Kontorsionisten. Der allgegenwärtige erotische Reiz bleibt immer im Rahmen der Ästhetik ohne jegliche Anzüglichkeiten.

Die Show startet mit einer akrobatischen Tanzeinlage. Das zwei Dutzend Personen umfassende Ensemble bewegt sich zu den rasant inszenierten Choreografien des indischen Tanz-Gurus Shiamak Davar, in denen jeder Wimpernschlag synchron zu verlaufen scheint.

Die andere Seite der indischen Mentalität - die meditative Ruhe und Spiritualität - zeigt sich in der minutiösen Zeitlupen-Schönheit der Trapezkünstler, die kraft ihrer Anmut ihre schwindelerregende Tollkühnheit vergessen lassen. Ein schlichtes Fingerschattenspiel nimmt in seiner charmanten Beschaulichkeit einen festen Platz ein zwischen Kampfkünsten und Kriegstänzen. Derart zerfließen 35 Acts emotional kontraststark und musikalisch verbunden ineinander.

Mit üppiger Bühnen-Hightech, wie sie bislang im Zirkus-Genre eher unüblich ist, werden klassische Elemente wie Seiltanz oder Jonglage in ein stimmungsvolles Lichtspiel getaucht, das von fließendem Bodennebel und holografisch wirkenden Animationen am gewölbten Manegen-Himmel dramaturgisch ergänzt wird.

Eine zehnköpfige Pop-Band spielt weit ab vom althergebrachten Zirkus-Tamtam einen modernen, mitreißenden Soundtrack. Mit Sitar, Geige, Tabla- und Dhol-Trommeln und indischem Folklore-Gesang behält die Musik trotz westeuropäischem Grundcharakter ihre Authentizität.

Vor der Premiere und in der Pause zieht das Blitzlichtgewitter um allerlei begeisterte Prominenz aus Sport, Politik und TV die Publikumsaufmerksamkeit auf sich - allen voran Verona Pooth im pinkfarbenen Kleid. Im Repertoire-Alltag wird es ruhiger zugehen. Das farbenprächtige Drumherum jedoch in dem 2000 Besucher fassenden Zirkuszelt bleibt ohne Abstriche bestehen.

Erinnert an eine Gottheit - der "Tanz der 1000 Arme" im "India"-Spektakel in Frankfurt. dpaVergrößern

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