Von Janina Plato
THEATER Sartre-Stück in Sankt Johannis beeindruckt Publikum
Getrieben vom Streben nach religiöser Ideologie und Gemeinschaft, geblendet von Illusion und Vollkommenheit - so oder so ähnlich könnte man die Akteure in "Der Teufel und der liebe Gott" von Jean-Paul Sartre bezeichnen. Das Stück des französischen Philosophen hat sich den Atheismus zum Thema gemacht. Jetzt wurde es erstmals in einer Kirche aufgeführt. Die Schauspielgruppe "Hautnah" unter Leitung von Rolf Bidinger hat sich in der evangelischen Kirche Sankt Johannis einer großen Herausforderung gestellt und diese mit Bravour gemeistert.
Im Deutschland des 16. Jahrhunderts belagert Landsknechtführer Götz zur Zeit der Bauernkriege die Stadt Worms. Doch es ist komplizierter, als es anfangs scheint. Der Hauptakteur ist gefangen im Trugschluss des Absoluten von Gut und Böse und scheitert auf seiner Suche nach Gott.
Das fast dreistündige Stück ist getränkt von Szenen, die in einem Kirchenraum durchaus befremdlich wirken. "Nichts geschieht ohne Gottes Willen. Gott ist die Güte, man muss glauben", versucht ein Priester den Tod eines kleinen Kindes zu erklären. Als Antwort verlässt ein höhnisches Lachen voller Verzweiflung die Kehle der betroffenen Frau.
Behände setzt sich ein Schauspieler auf den steinernen Altar - ein leichtes Raunen macht sich im Zuschauerraum breit. Rüde Worte prallen kraftvoll an die Kirchenwände, die Stufen zum Altar dienen sowohl als Schauplatz für die provokante Verhöhnung Gottes als auch für die tiefschürfende Verzweiflung durch die fehlgeschlagene Suche nach Gott. Es erklingen die Worte: "Man muss töten, wenn man in den Himmel will". Wenige Minuten später stirbt ein hoher Würdenträger am Fuße des Altars. Ohne Frage, es ist in gewisser Weise mutig, ein vom Atheismus bestimmtes Stück in einer Kirche aufzuführen. Wie Pfarrerin Dr. Bettina Opitz-Chen jedoch im Grußwort des Programmhefts deutlich macht, muss sich der gläubige Realist mit der Leugnung Gottes als "ein schmerzender Stachel in der jüdisch-christlichen Tradition" und als "innerste Gefährdung der Kirche" befassen. Man kann nur hoffen, dass die Toleranz nicht genauso fabelhaft gespielt ist wie das Stück selbst.

