musik-theater-werkstatt zeigt Projekt „Büchner!“ in der Wiesbadener Wartburg
28.01.2012 - WIESBADEN
Von Viola Bolduan
Wie musikalisch war Büchner? „Gar nicht,“ sagt Ernst-August Klötzke, Leiter der musik-theater-werkstatt am Wiesbadener Theater. Aber das ist nicht alles. „Seine Sprache ist eine hoch musikalische mit klaren Strukturen.“ Grund genug, Georg Büchner, dem Autor, Revolutionär und Mediziner aus Goddelau (bei Darmstadt) zum 175. Todestag (19. Februar) eine Theater-Produktion zu widmen.
In der Wartburg wird es am 10. Februar die Uraufführung eines Werks für Elektronik von Bernd Leukert in parallel computergesteuerter Visualisierung zu Georg Büchner geben. „Büchner!“ so heißt der unkompliziertere Titel und der Name war des Werkstattleiters einzige Vorgabe. Klötzke weiß ja, wie gut sich Büchners Poesie für Komponisten eignet (vergleiche Alban Bergs „Wozzeck“, Gottfried von Einem: „Dantons Tod“, Paul Dessaus „Leonce und Lena“). Das Thema konzentrierte sich dann auf Büchners „Dantons Tod“ und beschäftigt seit Herbst sechs Kompositionsstudierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt und etliche junge Leute aus dem Studiengang Mediendesign der Fachhochschule Mainz. Aline Koch (26) und Erik Pfeiffer (24) gehören dazu. Die dramatische Vorlage der französischen Revolution passt über das Ende der DDR und die „Arabellion“ bis zur Occupy-Bewegung haargenau in unsere Zeit, meinen sie im Gespräch.
Vom Traum zum Albtraum
Inspirieren ließ sich Pfeiffer auch von der dekorativen Wartburg-Gestalt - mit visualisierter Büchner-Musik im Theater-Foyer hätte auch Klötzke ein Problem gehabt. Die jugendstilige Wartburg indessen hält innen genügend ungeschliffenen Raum bereit für eine „Fantasiewelt“, die Aline Koch entstehen lassen will und der Kollege in „Traum“ bis zum „gruselig bedrohlichen Albtraum“ weiterführt. Aber was entwerfen sie?
„Eine je eigene Bildsprache“, heißt es, die dann über acht Beamer ihre verschiedenen Projektionsflächen im Theaterraum findet, auch parallel laufen und sich überschneiden kann, jedenfalls zu einer visuellen Gesamtkomposition finden soll. Und was macht derweil die Musik der Kollegen aus der benachbarten Frankfurter Hochschule?
„Die Musik verhält sich zu den Bildern,“ erklärt Klötzke. Der Ausgangspunkt ist ein gemeinsamer, und dann entfalten sich beide Sparten eigenständig. Ziel ist der „gleichberechtigte Dialog zwischen den medialen Welten“, soweit Klötzke.
Und was sagt die erste Erfahrung auf der Probe dazu? „Es gibt keinen Dirigenten.“ Die Studierenden müssen also im Kollektiv zusehen, wie sich die Puzzleteile zusammensetzen und anpassen lassen. Eine weitere Inspiration für Aline Koch, mit den Musikern engeren Kontakt aufzunehmen. „Wie alles zusammenwächst“ ist für sie ohnehin das Spannendste der Aufgabe - Cutterin will sie später eben auch mal werden. Erik Pfeiffer wiederum interessiert das Sounddesign und hat ständig den Revolutionsgedanken im Kopf: „Die Revolution ist wie ein Virus, der seine Kraft entfaltet und dann einen Kipppunkt erreicht.“ Also sich selber mit ihren Kindern frisst.
Atmosphärisch soll die Dynamik von Aufbruch und Abrutschen wahrnehmbar werden - im Zusammenspiel von Bild und Klang im Namen Büchners.

