Talent für Spielen, Singen, Schreiben
20.12.2011 - WIESBADEN
Von Viola Bolduan
MOERING-STIPENDIUM Preis für Franziska Werner
Die Damenrunde ist sich in vielem einig: über das prekäre Verhältnis zwischen Traumberuf und seine Realität, die Balance zwischen Selbstkritik und Selbstbestätigung . . . doch halt!, ein Mann war zuvor ja auch mit dabei. Denn die meisten Personen aus der Jury zum diesjährigen Christa-Moering-Stipendium hatten sich im Kulturdezernat versammelt, um der Wiesbadener Schauspielerin Franziska Werner zu gratulieren. „Einhellig“ sei die Entscheidung für die seit 2008/9 als Ensemblemitglied am Wiesbadener Theater engagierte Darstellerin gefallen, erklärt Dezernentin Rose-Lore Scholz und schickt Glückwunsch und Blumen hinterher. Regisseurin Iris Gerath-Prein hatte als Jury-Mitglied das Theaterfach vertreten, Beatrix Klein für das Frauenmuseum den Präsentationsort der Stipendiatin im kommenden Jahr und Helmut Nehrbaß den Kulturausschuss der Stadtverordneten.
Politisches Theater
Franziska Werner hatte, so stellt sich im gemeinsamen Gespräch heraus, überzeugt durch ihr sehr persönliches Bewerbungsschreiben und den eingesandten Film, der die Darstellerin in vielen verschiedenen Facetten zeigt. Dass man sie von der Bühne her kannte, war selbstverständlich, etwa in „Der gute Mensch von Sezuan“, „Emilia Galotti“, „The Black Rider“ oder „Der Stein“. Die letztgenannte Produktion gehört zu einer ihrer liebsten, weil sie zu Franziska Werners Vorstellung von „politischem Theater“ passte. Und in „Black Rider“ durfte sie - wie schön - singen. Wie überhaupt ihre Vielfältigkeit die Jury beeindruckte.
Aufbruch zu Neuem
Das Stipendium ist zum dritten Mal und für dieses Jahr in der Sparte Schauspiel vergeben worden. Es wird an Frauen (künftig dürfen es auch Männer sein, meint Scholz) für künstlerische Leistung und Förderung weiterer Entwicklung vergeben. Das träfe, so Theaterfrau Gerath-Prein, insbesondere auf Franziska Werner zu, die mit ihren 30 Jahren bisher bereits „viel geleistet“, aber auch enorme Energie für den „Aufbruch zu Neuem“ beweise. „Wir sind von ihrem Talent überzeugt für Spielen, Singen, Schreiben“, fasst Kulturdezernentin Scholz zusammen, und Nehrbaß vergisst nicht die neuen selbst gestellten Regieaufgaben für die Wiesbadener Kammerspiele.
Und wie reagiert Franziska Werner selbst auf den Stipendiums-Preis? Er hat ihr „gut getan“ und gilt ihr als Anerkennung und Herausforderung zugleich. Das Preisgeld von 5 000 Euro ist für sie „sehr viel Geld“, das sie verwenden will für Workshops, um mehr über Gesang oder Drehbuchschreiben zu lernen, oder auch Theater in anderen Ländern (und gleich eins der besten, die Royal Shakespeare Company) kennenzulernen. Und was heißt Ehrlichsein in ihrem Beruf? „Uneitel“ bleiben, antwortet sie.


