Panik im Zoo-Idyll
10.05.2011 - MAINZ
Von Andreas Schermer
FESTIVAL Tanzperformance von Asli Bostanci wühlt Emotionen auf
Im Rahmen des Kultursommers konnten Nic Schmitt und Peter Schulz vom Performance Art Depot (pad) in der Leibnizstraße dieses Jahr zum dritten Mal das Internationale Performance Festival präsentieren. Das Finale der einzigartigen Veranstaltungsreihe wurde von Asli Bostanci als „Tanzperformance” gestaltet. Eine Definition, die von der türkischen Künstlerin in ihrer beeindruckenden Inszenierung „Panic in the ZOO“ sehr frei ausgelegt wurde.
Kindlich kieksend, in gut formuliertem Englisch aber mit extremem Akzent, spielt sie mit kleinen Plastikfiguren auf einem Kunstrasenteppich. Eine Giraffe, ein Tiger, ein Zebra, lässt sie mit ihren zierlichen Händen in drolligem Dialog durch die Grasbüschel tapsen. Die Kamera überträgt das niedliche Szenario auf die Leinwand, bis auf das Stichwort „Blut“ die Hölle losbricht. Jäh verliert das Spiel seine Unschuld. Aggressive Musik brüllt aus den Boxen, durch den Inhalt einer Ketchupflasche wird das kindliche Spielfeld erbarmungslos besudelt.
In der schrillen Musik wandelt sich die Stimmung weiter. Bostanci tanzt hysterisch, in künstlerisch angedeuteter Obszönität entdeckt sie ihren Körper. Schließlich werden die Klänge gedämpfter. In der nächsten Entwicklungsphase sticht die Protagonistin in einem künstlichen Grab herum.
Auf Wolke Sieben die Liebe entdeckt
Sie schließt mit der Kindheit ab in der rituellen Zerfleischung ihrer Plüschtiere, bis die ganze Füllung als Watteschicht die Bühnenfläche bedeckt. Eine unromantische Wolke Sieben, auf der sie ungelenk die Liebe entdeckt. Das Wesen ihrer Zuneigung, gespielt von dem Tänzer Umut Surel, hat einen überdimensionalen Teddybär-Kopf.
Im fantasievoll verschlüsselten Handlungsstrang hält sie stets eine innere Distanz vor allzu Realem.
Wo Erotik entstehen könnte, gibt es nur derbes Geschrei, kakofonische Saitenanschläge auf der E-Gitarre und unmotiviertes Schlagzeuggepolter. Doch bei aller Derbheit wahrt Bostanci in ihrem Stück ein hohes Maß an hinreißendem Charme.
Es darf auch geschmunzelt werden, wenn sie ihren Lebens-Teddy veranlasst, sich mit Milch zu übergießen oder ihn von der Leiter herab mit glitzerndem Sternstaub bestreut.
Ein genüssliches Emotionen-Aufwühlen als gelungener Abschluss für das Internationale Performance Festival.

