Von Axel Zibulski
OPER KONZERTANT Puccinis "La Rondine"
Zu Höhenflügen hat Giacomo Puccinis "Schwalbe" auf der Bühne nie angesetzt: Der Ruf, die unbekannteste aller Opern des Italieners zu sein, hält sich im Falle von "La Rondine", 1917 in Monte Carlo uraufgeführt, bis heute. Nur vereinzelt gab es in jüngerer Zeit Versuche, das operettennahe Stück wieder für die Bühne zu gewinnen, an der New Yorker Met immerhin, in Deutschland zuletzt in Leipzig. Und um die konzertante Aufführung der Oper Frankfurt in der Alten Oper musste bis zuletzt gebangt werden. Publikumsliebling Joseph Calleja hatte am Vorabend die Generalprobe abbrechen müssen; in der Aufführung selbst sang er gleichwohl glänzend und mit kaum spürbarer Indisposition die Hauptpartie des Liebhabers Ruggero.
Traviata für kleine Leute
Als "Traviata für kleine Leute" ist das Stück, einem Verdikt von Karl Kraus über Puccini folgend, bisweilen abgekanzelt worden, weil eine Ex-Kurtisane im Zentrum des Pariser Sujets steht. Das unvereinbare Nebeneinander von Kunst und Realität, wie man es aus "Tosca" oder "Bohème" kennt, dazu Anleihen bei der Wiener Operette - Puccinis "Comedia lirica" ist ein stilistisches Potpourri, musikalisch trotzdem enorm verdichtet und, wie man es von Puccini kennt, ohne Umschweife auf den Punkt komponiert. Kaum zwei Stunden dauert die konzertante Aufführung des gewiss auch für eine szenische Umsetzung attraktiven Werks.
Melodisch eingängig
Die von Marc Soustrot geleitete Aufführung exponierte mit dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester sorgfältig Puccinis Farbvaleurs, den melodisch eingängigen Duktus der "Rondine", nahm sogar die Chorszenen im zweiten Akt nicht plakativ - einer Ballszene, in der man sich natürlich an "La Bohème" erinnert fühlen darf. Nur ganz so rund wirkt "La Rondine" eben nicht - gerade beim hier gewählten Schluss der Erstfassung, wenn sich die ehemalige Kurtisane Magda, herb und dramatisch ausladend von Elaine Alvarez gesungen, von ihrer Liaison mit Joseph Callejas Ruggero verabschiedet: abrupt und äußerlich wenig effektvoll.
In Marc Soustrots Frankfurter "La Rondine" hört man insgesamt weit mehr Puccini als Wiener Operetten-Charme, auch wenn der Dreivierteltakt hier manchmal fast schon kurios ins italienische Operngeschehen hereingrüßt. Vokal veredelt wird die Frankfurter Aufführung auch von dem lyrisch-biegsamen zweiten Tenor Marius Brenciu, der als Dichter Prunier der Kurtisane Magda zu Beginn voraussagt, sie werde wie eine Schwalbe ans Meer fliegen.

