Schwebende Harmonien
21.12.2010 - MAINZ
Von Jennifer Gruppenbacher
DOMKONZERT Johann Sebastian Bachs Messe in h-Moll in großer Chor-Besetzung
Ein letzer Nachhall vielschichtiger Klangfarben durch die Weiten des nahezu ausverkauften Mainzer Doms, und es ist vollbracht. Das Publikum applaudiert begeistert, viele stehen auf und Domkapellmeister Mathias Breitschaft küsst glücklich, nach zwei Stunden ununterbrochener Konzentration, die Partitur der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach.
Monumentalwerk auf höchstem Niveau
Zum traditionellen Domkonzert am vierten Advent wurde den Mainzern, wie gewohnt auf höchstem Niveau, ein faszinierendes Monumentalwerk der Musikgeschichte präsentiert. Dazu positionierte sich eine eindrucksvolle Zahl von Musikern vor und auf den Stufen des Westchors. Zunächst einmal waren das etwa 130 Sänger - zusammengesetzt aus der Domkantorei St. Martin, den Männerstimmen des Mainzer Domchores und einem Vokalensemble des Mädchenchors am Dom und St. Quintin. Dazu kamen die Gesangssolisten Katharina Leyhe (Sopran), Patricia Roach (Alt), Dominik Geiger (Tenor) und Patrick Pobeschin (Bass) sowie das etwa 35 Spieler starke Mainzer Kammerorchester mit Konzertmeisterin Susanne Stoodt.
Unter den Solisten fiel besonders Roach im Agnus Dei mit ihrer warmen und hingebungsvollen Stimme auf. Sie ist aktuell zusammen mit Patrick Pobeschin auch in Richard Wagners Tannhäuser am Mainzer Staatstheater zu hören. Breitschaft, der die h-Moll-Messe bereits vor acht und vor 17 Jahren in Mainz dirigierte, führte durch das Werk in groß gespannten, ausgewogenen Bögen, die er dynamisch impulsiv voneinander abzusetzen wusste. Ein besonderer Hörgenuss waren die Satznummern, die nicht nahtlos ineinander übergingen, sodass man den schwebenden Harmonien durch den Raum des Doms nachsinnen konnte. Auffallend gut gelang der Chorsatz „Et incarnatus est“, das neben dem „Confiteor“ ausnahmsweise nicht auf ältere Kompositionen Bachs zurückzuführen ist. In diesem damals hochmodernen und an Pergolesi orientierten Satz betonte Breitschaft besonders den zauberhaften und geheimnisvollen Ton, der von der Fleischwerdung Christi spricht.
Wunderbare Einstimmung auf Weihnachten
Etwas verschwommen und schleppend wirkte hingegen das aus Horn und zwei Fagotten bestehende tiefe Bläsertrio, das in „Quoniam tu solus sanctus“ Pobeschin begleitete.
Insgesamt handelte es sich jedoch um eine großartige Leistung aller Beteiligten, die wunderbar auf Weihnachten einstimmte.

