Trio in Rockband-Manier
04.11.2010 - MAINZ
Von Andreas Schermer
JOE JACKSON Britischer Musiker überzeugt Publikum auch mit Cover-Songs
Zunächst müssen die Joe Jackson-Fans in der Phönix- Halle eine halbe Stunde lang das Gitarrengeschrammel eines amerikanischen Pub-Sängers erdulden. Das Wohlwollen wird weiter strapaziert durch 40 Minuten Wartezeit, in der sich Pfiffe und Unmutsbekundungen häufen. Ironischerweise lautet die erste Textzeile „What the hell is wrong with you tonight?“ in Jacksons Eröffnungstück „It’s different for girls“. Als er dann noch wegen eines Textaussetzers im Vortrag lachen muss, fühlt man sich an Elvis Presleys legendäre Aufnahme von „Are you lonesome tonight“ erinnert. Jackson geht humorvoll mit seinen Schwächen um: „Not here, not now aus meinem Album Body and Soul haben wir schon eine Weile nicht gespielt, und ich versuche, es nicht zu versauen.“
Dann wirft er beim Singen der hohen Töne energisch den Kopf in den Nacken und hat den Mund weit aufgerissen wie die Vermenschlichung des klavierspielenden „Schroeder“ der Comic-Serie Charly Brown. Er hat die Nummer nicht „versaut“ und strahlt am Ende sein erleichtertes Schuljungen-Lächeln. Das ist Joe Jackson, dieser fahle, weißhaarige, etwas kränklich wirkende Schlacks hinter der weitgehend heiteren Fassade.
In gleicher Besetzung mit Bassist Graham Maby und Schlagzeuger Dave Houghton, mit der er auch 2008 in der Phönix-Halle gastierte, steht die Konzertreihe im Zeichen des Minimalismus, Licht- und Show-Elementen sind eher spartanisch. Wo ihn sonst bisweilen ein bis zu 16-köpfiges Orchester begleitete, präsentieren die drei Herren allerdings die soulig jazzigen Kompositionen in einer ungestümen Lautstärke, die so mancher harten Rockband alle Ehre macht. Zu David Bowies „Scary Monsters“ gehen der drückende Bass, die donnernden Flügelakkorde und die galoppierende Bassdrum in Mark und Bein. Das Joe Jackson-Trio trägt immer noch den verwegenen Trieb der einstigen Punkrock-Lümmel in sich.
Doch einseitig wird es dadurch nicht. Jackson ist nicht nur ein bemerkenswerter Komponist, sondern auch ein hervorragender Arrangeur, der geradezu sprüht vor immer wieder neuen Interpretationsideen. John Lennons „Girl“ spielt er ganz alleine am Konzertflügel und seufzt dabei so hingebungsvoll, dass er dieses Stück aus tiefster innerer Überzeugung selbst geschrieben haben könnte.
Nach 100 Minuten soll die Zugabe spontan entschieden werden. Sofort kommen zahlreiche Anregungen aus dem Publikum. Doch mit seinen Hits ist er zurückhaltend: „Es ist wohl besser, wenn ich selber entscheide“ - und er entscheidet sich abermals für eine weit vom Original gelöste furiose Interpretation von Peter Greens „Oh Well!“. Mit „Steppin Out“ gibt es abschließend dann doch noch eines seiner populärsten Stücke.

