Er „rasiert“ in aller Welt
09.09.2010 - WIESBADEN
Von Richard Hörnicke
EHRUNG Eike Wilm Schulte als erster Kammersänger in Hessen seit 60 Jahren ausgzeichnet
Dem Wiesbadener Staatstheater hat Eike Wilm Schulte unerschütterlich die Treue gehalten, stand hier als Ehrenmitglied des Hauses selbst nach Beginn seiner Weltkarriere immer wieder auf der Bühne. Aufgrund der Anhänglichkeit an das Staatstheater und der großen internationalen Erfolge hat ihm das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst zum Hessischen Kammersänger ernannt. Er trägt diese Auszeichnung als erster Sänger nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Im Foyer des Großen Hauses überreichte ihm Intendant Manfred Beilharz die von Staatsministerin Eva Kühne- Hörmann unterzeichnete Urkunde. Beilharz hob die Verdienste des Sängers für das Wiesbadener Theater und die Welt der Oper insgesamt hervor.
Schulte bedankte sich für diese hohe Ehrung mit launigen Worten: „Ich habe in Wiesbaden sieben Intendanten überlebt, zu diesen kommt nun noch Placido Domingo, der mich nach Los Angeles verpflichtet hat“. Er habe Zeit seines Lebens nie einen großen Wert auf Titel gelegt, Angebote zu Übernahmen von Professuren an Musikhochschulen abgelehnt - aber dieser Ehrentitel mache ihm große Freude. 2008 hatte er die Goethe-Plakette als musikalischer „Botschafter Hessens“ und als Anerkennung seiner zahlreichen sozialen Engagements erhalten.
Schulte erinnerte an seine erste große Rolle in Wiesbaden als Figaro in Rossinis „Barbier“ eine Partie, die ihn in an alle großen Bühnen führte, sodass Eberhard von Lewinsky, früherer Musikkritiker dieser Zeitung, damals schrieb: „Inzwischen rasiert er in aller Welt“.
Sein Bariton, in letzter Zeit ausgreifend in das dramatische Fach, scheint immer noch aus einem schier unergründlichen Kraftquell zu strömen. Die nächsten Verpflichtungen führen ihn im Oktober für zwei Monate zu einer neuen „Lohengrin“-Inszenierung nach Los Angeles, weiter geht es 2011 nach München, Berlin, Wien, Tallin, Montreal, Chicago und zum Jordanien-Festval.
Aus Anlass seiner Ernennung als Kammersänger übernimmt er in einer Galavorstellung am 27. Dezember dieses Jahres im Großen Haus des Wiesbadener Staatstheaters eine seiner Lieblingsrollen - die Partie des Georgio Germont in Verdis „La Traviata“.

