Revolverhelden werden nie erwachsen - Hamburger bei "Da Capo" in Alzey
15.08.2010 - ALZEY
Von Andreas Schermer
Minutenlang pulsierende Klänge im dramatischen Show-Intro kitzeln die Spannung auf Höchstniveau. Mit einer alarmartigen Melodie betreten zunächst Schlagzeuger Jakob Sinn und Bassist Florian Speer das bläulich schwach illuminierte Bühnen-Halbdunkel. Unter weißen Scheinwerferblitzen kracht der Rest der Truppe dazu.
„Ich werde nie erwachsen“, lautet der Trick, wie sich die fünf Hamburger ihren jugendlichen Charme bewahren, nachdem sie mittlerweile alle die 30 überschritten haben. Wer eine brave Radio-Popband erwartet hat, dem bleibt die Luft weg bei so viel Live-Dynamik. Das Statement „Mein Leben ist Super“ ist so echt, dass sich Sänger Johannes Strate vor überbordender Begeisterung zu einem Sprung ins Publikum verleiten lässt.
Zwischen den Stücken pflegen die Herren einen saloppen und unterhaltsamen Umgangston. Selbst balladeske Momente wie „Die Welt steht still“ oder „Halt dich an mir fest“ sinken nie auf das Niveau kitschiger Gefühlsduselei ab, sondern halten ein kraftvoll pathetisches Level, das die Fans auf Trab hält: „Wir sind eine sehr anstrengende Band“, wissen die Gitarristen Kristoffer Hünecke und Niels Grötsch und fordern immer wieder energisch zum Mitklatschen auf.
Trübsal auf Noten blasen, gibt es nicht in dieser Truppe, die in ihren Textverarbeitungen immer einen Grund zum Feiern findet und sich fest entschlossen zeigt, die Welt zu verändern. Dies traut man ihnen zumindest aus musikalischer Sicht tatsächlich zu, wenn man miterlebt, wie sie mit der Hüpfnummer „Was geht“ von den Fantastischen Vier den Schlosshof beben lassen. Vom idyllischen Ambiente in den Mauern zwischen Amtsgericht und Mädcheninternat zeigen sich die Hanseaten wiederholt angetan. Dabei verwöhnt die Stadt Alzey bei ihrem gut organisierten Da Capo-Festival nicht nur mit tollem Musikprogramm, sondern auch mit einem kongenialen kulinarischen Angebot.
Mittendrin in diesem Jahr die Hit-Lieferanten der selbstdeklarierten „Generation Rock“ - zugleich eine Terminologie für die Kampfansage ans selbstmitleidige Spießerleben. Dabei gehen Revolverheld verpflichtend unzimperlich vor. Sie sind bekennende Spinner – genau wie ihre Anhänger. Dies ist ein rechtschaffenes Kompliment, denn es ist ein Ausdruck für Kreativität und Lebensmut. Darum singen die Alzeyer Spinner „Wir sind die Gewinner“ als Freigeist-Hymne auch ohne Band weiter. Satter Sound, üppiges Licht und gute Laune. So verfliegt die Zeit mit den Revolverhelden schneller als Lucky Luke seinen Colt ziehen kann. 80 Minuten Show wird von manchem Fan als etwas knausrig empfunden. Dafür war es eine geballte Ladung mit Hits und überzeugend positiver Attitüde. So sind zumindest in Sachen fraglos mitreißender Qualität am Ende alle zufrieden.

