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Musik 

Top-Acts: Marianne und Stefanie

07.06.2010 - WORMS

Von Andreas Schermer

JAZZ and Joy II Überraschungen, Hippies und fremdartige Geräuschkollagen

„Jazz & Joy“ oder auch mal nur Joy ohne Jazz - das Publikum hatte zum zwanzigsten Mal die jährliche Wahl im geschickt ausgetüftelten Programm des Festivals auf den Plätzen der Wormser Innenstadt.

Stefan Raabs Entdeckung, die talentierte Soulsängerin Stefanie Heinzmann, bildet am Samstag den populären Höhepunkt. Unbestreitbar hätte selbst die Jugendkultur für sie ein prätentiöseres Outfit zu bieten als schwarze Knickerbocker, Schlabber-T-Shirt und Trucker-Kappe. In den Fonky Fonks wurde ihr eine junge, fix und fertige und hervorragend eingespielte Band auf die Bühne gestellt. Bekannt wurde die 21-jährige Schweizerin mit ihrer gekonnten Interpretation der Metallica-Ballade „The Unforgiven“. Bei ihren Auftritten dabei ist außerdem ihr großer Bruder und Manager Claudio, der seinen selbst geschriebenen Song mit Akustikgitarre als Duett-Partner begleitet.

Eine handfeste Überraschung kommt am späten Samstagabend von Marianne Rosenberg. Viele Festival-Besucher laufen auf der Suche nach der Schlager-Sängerin mit dem „Namen an der Tür“ an der Bühne am Weckerlingplatz vorbei, bis sie vom Kassenpersonal darüber informiert werden, dass es sich bei der Dame, die gerade zu Piano, Saxofon, Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug singt, tatsächlich um ebendiese gesuchte handelt. Neben schmeichelnden Jazz-Standards ist ihre modern arrangierte „Marlen“ nur am Text zu verifizieren. „Aber sonst geht es euch gut?“ fragt sie ironisch, als sich ein paar Fans zur Zugabe „Er gehört zu mir“ wünschen. Diese Forderung bringt ihre Jazz-Elite in Verlegenheit. Rosenberg singt kurz mit den Hardlinern im Publikum den Refrain an, dann geht es flugs zurück zum Jazz in einer abschließenden Gute-Nacht-Ballade.

Tagsüber lauschen bei der Bühne an der Jugendherberge die Fans verzückt den jammernden Romantik-Philosophien des Münsteraner Singer Songwriters Pohlmann. Während dieser Zeit unterhält auf dem Schlossplatz die Vargas Blues Band mit klassischen E-Gitarren-Elegien mit Latino Touch. Die „17 Hippies“ auf dem Platz der Partnerschaft sind da eventuell eine Ausnahme, denn hier scheint sich das Publikum einfach von der ausgelassenen alternativen Lebensart der wilden Musiker mit Streichern, Bläsern und Akkordeons mitreißen zu lassen. Die wenigsten können verhehlen, dass die Herausforderung, ungerade Taktzahlen in Höchstgeschwindigkeit mitzuklatschen und das Tanztreiben auf der Bühne mit Stampfen und wildem Kopfschütteln anzufeuern, wesentlich mehr reizt, als ihre gelegentlichen Gefühlsduseleien auszusitzen.

Im Andreasstift bietet das Portico Quartett eines der exklusivsten Bonbons der Veranstaltung. Aus fremdartigen Geräuschkollagen von Saxofon und Kontrabass formt sich melodisch ein gefühlvoll dumpf metallischer Ton. Nick Mulvey schlägt dafür mit Filz-Klöppeln auf drei schwarze, gewölbte Gebilde wie aufeinander gestülpte Wok-Pfannen. Sie ähneln einer Steeldrum, sind aber klangbildlich wie melodiegestalterisch beispiellos.

Kaum Schlager, dafür viel Jazz: Marianne Rosenberg überraschte die Festival-Besucher.	Foto: Photoagenten / Rudolf Uhrig

Kaum Schlager, dafür viel Jazz: Marianne Rosenberg überraschte die Festival-Besucher. Foto: Photoagenten / Rudolf Uhrig Vergrößern

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