PAUKEN und TrompeteN Schwarze Tongespenster faszinieren Publikum
(asche). Selbst wer von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, wird ab dem ersten Moment von dem französichen Fanfaren-Nonett Le S.N.O.B. überzeugt. Geisterhaft schwebend, zieht der kleine Gebläse-Clan in seinen steifen, schwarzen Roben über die Betonquadrate der Malakoffterrasse.
Ihr vampireskes Erscheinungsbild wird unterstrichen durch bizarr nach oben geschlängelte oder um den Bauch gewickelte Blasinstrumente. Über den Köpfen dieser eigenartigen Wesen qualmen Kegel wie die Nüstern eines Drachen. Tanzend drehen sie sich um die eigene Achse, durchkämmen und kreuzen ihre Bahnen und verlagern auf diese wimmelnde Weise allmählich das Zentrum des Geschehens.
Dies ist der Aufsehen erregende Auftakt des Festivals „Mit Pauken & Trompeten”. Die Kooperation des Kultursommer Rheinland-Pfalz und der Mainzer Kammerspiele präsentiert vier Tage lang deutsche und französische Fundstücke in Sachen „Blasmusik“ oder allem, was sich entfernt diesem Begriff zuordnen lässt.
Das offizielle Programm spielt sich in einem abgesperrten Bereich vor den Sitzstufen am Rheinufer beim Hyatt-Hotel ab. Zunächst spielen hier die Eleven der Wiesbadener Musik- und Kunstschule und der Wiesbadener Musikakademie, „Wiesbaden Symphonic Brass“, die Schlechtwetterwolken weg mit Renaissance-Werken, Jazz-Standards und Filmmelodien.
Nach Eintreten der Dunkelheit wirkt die Rückkehr des französischen Ensembles Le S.N.O.B. noch mystischer. Es gleicht einem geistlichen Zeremoniell, wenn die rein mimisch agierende Christine Bournazel zu charakteristisch wabernden Arpeggien einer Philip Glass-Komposition Flammen über den Köpfen der Musiker entfacht. Die ganze Choreografie läuft in stiller Präzision, so sauber wie die Figuren einer Spieluhr. Wenn die fünf Bläser Ludovic Riviére, Christophe Journaud, Didier Riviére, Olivier Riviére und Gilles Monfort wie Stehaufmännchen auf der Stelle vor und zurückschwingen, beginnt das Publikum erneut darüber zu rätseln, welches physikalische Hilfsmittel sich wohl unter den Gewändern befinden mag. Mikko Fontanes Banjospiel prägt den Charakter einer Marching-Band. Durch ihre präzise knallende Schläge rücken die beiden Schlagwerker Mélaine Lemaitre und Alain Péré den Stil noch weiter weg vom statisch bollernden Spielmannszug, hin zum kernigen Rocksound von Led Zepplins „Kashmir“. So huschen die schwarzen Tongespenster über den Platz, und das Publikum kann gar nicht genug kriegen von dieser einzigartigen Kombination an optischen und akustischen Reizen.

