Von Andreas Schermer
CHANSON Arthur H präsentiert Querschnitt seines Schaffens im Frankfurter Hof
Schick gekleidet, aber schlecht gekämmt. Der französische Pianist und Sänger Arthur H verkörpert sehr schön das Sinnbild seiner Landesart: Elegant aber nicht allzu korrekt. Er ist der Sohn des bekannten französischen Chansoniers Jacques Higelin. Doch der Sohnemann hat sich in seiner zwanzigjährigen Karriere längst einen eigenen Anhängerkreis erspielt, der hierzulande wie in den meisten, durch englischsprachige Musik geprägte Kulturkreisen leider nur einen engen Radius erschließt.
Nur ein kleiner Zuhörerkreis
Der unbekümmert schwere französische Akzent in seinen wenigen englischen Songtexten scheint denn auch fast ein Ausdruck des Trotzes zu sein. Die frankophile Szene in Mainz beschert ihm im Frankfurter Hof auch nur beschaulichen Zuspruch, doch sein Vorschlag, die Songs auf englisch zu erläutern, stößt auf mehrheitliche Ablehnung. Dank der Kooperation des Institut Français mit dem Frankfurter Hof, kann der Künstler der Nouvelle Chanson-Szene erstmals in Mainz auftreten, wo er in trocken erheiterndem Vortrag sein neuestes Album „Mystic Rumba“ präsentiert. Dies ist eine Art Best-Of, für das er seinen teilweise rockigen, mit Gitarre gespielten Erfolgsquerschnitt zu Klaviermeditationen umgearbeitet hat.
In seinem musikalischen Ausdruck spiegeln sich Einflüsse von der Jazz-Legende Thelonious Monk bis zu den Punk-Rotzlöffeln Sex Pistols. Ebenso verarbeitet er das Flair mittelöstlicher Musik und des Tango.
So wandelt seine abwechslungsreiche Stilweite von romantisch fließenden Filmbildern zu streng rhythmischen Reiseerinnerungen. Seine überhauchte Stimme, so herb und charakteristisch wie der Pariser Clos de Montmartre, drängt in melancholischen Gedankenspaziergängen den Vergleich zu Tom Waits auf.
Experiemente mit der Bühnenbeleuchtung
Der Mitvierziger tummelt sich am liebsten in schummrig gedämpfter Bühnenbeleuchtung. Die Motivation für ein gelegentlich unambitioniertes Aufflackern bleibt zunächst selber im Dunkel. Der eigensinnige Beleuchtungsfimmel wird schließlich zum Konzept, als er einen Garderobenständer nach vorne zerrt, an dessen Enden kleine blinkende Strahler stur ihren eigenen Takt verfolgen.
Für die Melodiesierung des belebten „Ma dernière nuit à New York City“ klemmt er als Herzschrittmacher das klickende Metronom seines i-Phones ans Klavier-Mikro. Außer den grünen Notausgang-Schildern glimmt inzwischen nur noch eine einsame rote Glühlampe am Ständer wie ein trostloser Leuchtturm. Später klemmt er Wäscheklammern auf die Klaviersaiten, was beim Spielen einen leicht Schrägen, dumpf rasselnden klang erzeugt.
So hinterlässt Arthur H bei seinem erlesenen Hörerkreis eine sympathische Note aus experimenteller Verspieltheit und künstlerischer Erhabenheit.

