Farbe in den Songs
29.03.2011 - MAINZ
Von Andreas Schermer
FRANKFURTER HOF Tina Dico kompromisslos rockig auf Erfolgskurve
Tina Dico ist mittlerweile schon ein gern gesehener Stammgast im Frankfurter Hof. Doch bevor die dänische Country-Chanteuse selber, erstmals mit kompletter Band auf die Bühne tritt, kündigt sie persönlich ihren kongenialen Adjutanten an, den Multiinstrumentalisten Helgi Jonsson aus Reykjavík. Auch für Dico sind diese 30 Minuten Vorprogramm ein Trumpf. Denn das Publikum ist im Nu dem charmanten Humor und der mit verträumter Stimme gehauchten Poesie des Isländers erlegen.
Als sie 2008 zum ersten Mal in Mainz spielte, stand sie noch ganz alleine da oben auf dieser Bühne. Ein Jahr später war sie dann in Trio-Besetzung angetreten mit ihrem Produzenten und mit Jonsson, den sie während ihres jahrelangen Reiselebens kennen lernte. „Paper Thin“ - die Zeit des ziellosen Herumfliegens wie ein Blatt Papier, ist vorbei. Dico ist sesshaft geworden, lebt heute in Kopenhagen und spielt ihre Songs jetzt begleitet von Schlagzeug, Bass, Gitarre, Klavier und Posaune. Natürlich bieten die neuen Lebensumstände der sensitiven Künstlerin reichlich Inspiration. Ihre neu entdeckte Liebe zu einem Ort, den sie als Heimat empfindet, erhält in „Copenhagen“ ihren Tribut. Im schlichten Refrain „right here“, mit kanonartig eingewebten Satzteilen, animiert das Stück zum mehrstimmigen Mitsingen. Die Erdung als positive Umstellung des Alltags, drückt sich musikalisch aus als eine Verwandlung von einer Welt in Schwarzweiß hin zur Farbe. Im Titelstück des neuen Albums „Welcome Back Colour“ wird deutlich, was dies bedeutet. Es ist kompromisslos rockig, mit beachtlich kraftvoller Präzision und drückt ebenfalls Dicos steile Erfolgskurve weiter nach oben. Platin steht ihr einfach gut. Dank enormer Verkaufszahlen wurden die Tonträger der weißblonden Skandinavierin mittlerweile mehrfach mit dem Edelmetal legiert.
Nicht ganz so gelungen ist an diesem Abend die Version ihres Hits „Warm Sand“, der, so allein auf der dosigen Wandergitarre geschraddelt, etwas lieblos wirkt. Harmonischer klingt dann ihre Erinnerung an ihre Zeit in London, als sie bei dem schlechten Wetter nichts zu tun hatte, als aus dem Fenster zu schauen. Die Erwähnung des Schlüsselwortes löst bereits die Begeisterung für das beliebte Stück „Room with a view“ aus.
In „Walls“ fügt sich Jonssons Gesang so perfekt ins Stimmbild von Dico, dass man ihn für deren Echo halten könnte. Zu diesem Klangphänomen erzählen sie auch gerne die Anekdote, als Kritiker bei der CD-Veröffentlichung begeistert die „Frauen-Duette“ lobten. So heulen Tina Dico und Holgi Jonsson zum Schluss noch einmal hingebungsvoll ihre einzigartig polyphonen Melodielinien.

