Von Mara Braun
Autoren zusammenbringen und Kultur vernetzen,das ist das Credo der Verlegerin Miriam Spies. Parallel zur Mainzer Minipressen-Messe veranstaltet sie im Mai das erste Mainzer Literaturfestival – Veranstaltungsorte sind das Pengland, der DGB-Keller und das Capitol-Kino.
Die Idee zum Festival war das Ende einer kreativen Entwicklung - und die lautet kurz gefasst so: Als Spies keinen Verleger für ihr Buch über den Videokünstler Michael Geißler findet, gründet sie den Gonzo Verlag und bringt „Acid Mao und I ging“ selbst heraus.
Viel PR kann die Mainzerin sich nicht leisten, immerhin hat sie gerade alles in allem rund 5.000 Euro in ihre Verlagsgründung gesteckt. Und so beginnt das, was Spies „kulturellen Leistungstausch“ nennt. „Ich habe schnell gemerkt, Lesungen fördern den Verkauf. Aber ich kenne keine Locations in Berlin oder Hamburg.“ Also ließ sie ihre Lesungen von ortsansässigen Künstlern organisieren und stellte denen umgekehrt welche in Mainz auf die Beine. „Irgendwann hatte ich einen so großen Pool an Interessierten, da dachte ich, es wäre ja blöd, das nicht zu bündeln!“, erklärt die 26-Jährige.
Soweit also die Geburtsstunde des Festivals; Partner waren überraschend schnell gefunden. Als Mitglied bei „Peng - Gesellschaft zur Förderung von Design, Kunst und Kommunikation“ hatte Spies mit dem Pengland direkt den ersten Veranstaltungsort, in den dortigen Aktiven Unterstützer.
„Freitagabends werden wir dort eine Hörlounge anbieten“, erzählt sie, „mit Autoren und Regisseuren der Hörspiele.“ Samstags und sonntags startet im Peng ein Programm für Kinder von vier bis zehn Jahren, bei dem unter anderem Märchenerzähler Holger Beckenbach die Kleinsten unterhält.
Zweite Festival-Location ist der DGB Keller. „Da bekomme ich riesige Unterstützung von den Schick & Schön-Machern, die organisieren den Raum und stellen Personal“, erzählt Spies euphorisch. Drei Abende Bühnenprogramm hat die kreative Mainzerin auf die Beine gestellt: „Los geht¹s freitags mit jeder Menge Lyrik und Chanson“, sagt Spies und gesteht: „Ich hatte erst Zweifel, ob das funktioniert, ein Abend Lyrik - aber die Künstler sind toll und ich freue mich drauf!“ Samstags steht „Untergründiges“ auf dem Programm, wie der Berliner Peter Pannke, der mit seinen Weltenbummlergeschichten und indisch angehauchten Popballaden aufwartet. Sonntags schließlich geht es kriminell zu, dann sorgt unter anderem der Mainzer Autor Hubert Neumann mit einer Lesung aus seinem Roman „Lusthängen“ für Gänsehaut.
„Hubs ist überhaupt ein Phänomen“, erzählt Spies kopfschüttelnd. „Er ist in der hiesigen Kulturszene unheimlich vernetzt und hilft mir sehr.“ So wie übrigens auch Verleger Werner Pieper („Die Grüne Kraft“), der Spies schon bei der Verlagsgründung unterstützt hat: „Ohne solche Leute funktioniert es nicht!“ Mit der dritten Location zeigt sich, wie eng ein Teil der Mainzer Kulturszene verwoben ist: Das Capitol wurde gerade erst von Eduard Zeiler, Jochen Seehuber und Wolf-Tassilo Sack übernommen - der wiederum auch zur Peng-Crew gehört. Im Kino findet neben Lesungen (Freitag) am Samstag ein Kabarettabend statt: „Da ist das Programm ein bisschen eine Kostenfrage“, sagt Spies, die den Künstlern „zumindest ein symbolisches Gehalt“ zahlen will.
„Aber die wissen, ich mache keine Zusagen. Je nach Aufwand brauche ich 2.000 bis 8.000 Euro Kapital - da muss ich echt rechnen.“ Am Sonntag stehen im Capitol Literaturverfilmungen an, „das ist ja thematisch fast zwingen“, lacht Spies. Bevor es am 22. Mai losgeht, ist noch viel zu tun. „Das ist eine wirklich spannende Zeit“ freut sich die Verlegerin.

