Schnüffler mit Bierbauch
09.02.2011 - MAINZ
Von Alfred Balz
KRIMI Peter Jackob liest aus seinem Roman „Narren-Mord“
Die Kultur der Region hat es schwer, sich gegen kommerzielle Events zu behaupten. Mit „Am 7ten um 7 im Café 7°“ ist dem Ingelheimer Leinpfad Verlag ein ebenso simpler wie genialer Schachzug gelungen. Für die monatlichen Lesungen der rheinhessischen Hausautoren wurde ein einprägsamer Termin gefunden. So war die dritte Lesung „Narren-Mord“ des Mainzer Krimiautors Peter Jackob nahezu ausverkauft.
Initiatorin Angelika Schulz-Parthu zeigte sich denn auch erfreut über den großen Zuspruch, der keineswegs selbstverständlich sei. Ihre einführenden Worte zu Werk und Autor machten neugierig auf den 2009 erschienenen Mainzer Fastnachtskrimi. Zwischen Hochdeutsch und direkter Rede in Mundart wechselnd bot Peter Jackob vier bekömmliche Appetithäppchen aus dem Buch, ohne Plot und Verlauf der Geschichte zu verraten.
Mit dem Kriminalkommissar Jacques „Schack“ Bekker hat Jackob ein Mainzer Original mit Ecken, Kanten und Fehlern geschaffen, dessen Alkohol umwehter Spürnase man gerne folgt. Nicht selten begibt sich der Misanthrop mit Bierbauch auf den Holzweg, kann seine lose Klappe nicht halten oder gerät mit Vorgesetzten in Konflikt. Mit seiner Frau lebt er in Scheidung, hat eine erwachsene Tochter und Zwillinge, die er nicht besuchen darf. Wie immer macht der vom Leben Gebeutelte an Fastnacht seine Tour durch die Stammkneipen. Doch als er in einem stinkenden Müllcontainer eine abgetrennte Frauenhand entdeckt, ist er schlagartig wieder nüchtern. Schnell sind Pathologe und Polizeifotograf informiert. Den bürokratischen Teil, Protokoll wie Aktenvermerke, überlässt er gerne seiner Kollegin. So schnüffelt er durch die Stadt, deren Ecken er wie kein anderer kennt. Er stößt auf Roland, den Flötisten in Frauenkleidern, den es abends an den Rhein zieht. Dort hat er die Tote am Zollhafen zwischen Containern gefunden.
Anders als Schimanski ist Jackobs Schmuddelkommissar kein sportlicher Frauenheld. Dafür hat „Schack“ das Herz auf dem rechten Fleck und den Blick des kleinen Mannes auf die da oben. Seine Flüche sind ebenso legendär wie seine Verbrüderungen unter Alkoholeinfluss. All das erzählt Jackob mit überraschenden Wendungen und skurrilem Humor. So erhält Polizeifotograf Niesberg den Newton Preis für seine Aktbilder und Jacques sammelt Pfandflaschen, um sein Gehalt aufzubessern. O-Ton Kommissar „Schack“ Bekker: „Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht“. Oder noch besser: „Sind denn alle in dieser Stadt übergeschnappt?“

