AUSSTELLUNG Sieglinde Ludes zeigt Objekte und Installationen im Eisenturm
(crs). Sehr einladend wirkt der Eisenturm momentan nicht, doch lohnt der Blick hinter Baustaub, Schutt und der quasi Christo-würdigen Schutzverpackung: Die Künstlerin Sieglinde Ludes präsentiert in den Räumen des Kunstvereins noch bis 11. Juli Objekte, Zeichnungen und Installationen der letzten zehn Jahre.
Der erste Eindruck irritiert: An den Wänden, an Seilen über Kopf hängen Gebilde, die wie Kokons aussehen. Kokons allerdings von beachtlicher Größe, aus denen wohl recht respektable Wesen schlüpfen würden, wenn sie denn etwas enthielten - doch ihr Geheimnis geben sie nicht preis, nicht umsonst sind sie mit „secrets“ betitelt. Sie bestehen aus Filmband, Vlies, Papier und vor allem Wollfilz.
Filz ist das zentrale Material im künstlerischen Schaffen der 1951 geborenen Künstlerin. Das Amalgam von Fasern, von gewalktem, unentwirrbar verfilztem Haar stellt sie teilweise selbst her, hier und da verwendet sie Industriefilz. Filz als Gestaltungsmittel von Kunstwerken ist, wenn auch durch Joseph Beuys berühmt geworden, eher selten. Ludes formt aus diesem ebenso zarten wie widerspenstigen Material Werke, die von der Architektur, der Natur und dem Bereich der Mikroskopie inspiriert scheinen.
Ihre Kunst der Reduktion, die gleichwohl die Fantasie um ein Vielfaches potenziert, findet nicht nur in besagten Kokons Niederschlag, sondern etwa auch in „Netzen“. Sie bestehen ebenfalls aus Filz sowie Kabelbindern, die wie Stacheln das Konstrukt garnieren und Assoziationen unter anderem an die Unwägbarkeiten des Internets auslösen. Besonders reizvoll sind die gezeigten Zeichnungen mit dem Titel „Architekturschatten Orient“: Mit Tusche und Graphit entwirft Ludes auf Büttenpapier im Querformat eigentümliche Horizontlinien echter oder imaginierter Städte.

