Performance-Art: Zwanzig nackte Models im Frankfurter Museum für Moderne Kunst
28.11.2010 - FRANKFURT
Von Martha Schmidt
Keine Karte war mehr zu kriegen für die Performance von Vanessa Beecroft im Museum für Moderne Kunst (MMK). Die 1969 in Italien geborene Künstlerin war noch nie in Frankfurt, aber sie war um so bekannter für ihre Inszenierung nackter weiblicher Körper. Jetzt sollte sie 20 Mädels in einer stundenlangen Performance zeigen. Klar, dass dann alle Karten ausverkauft waren: Acht Euro für stundenlang Models-Gucken ist ja schließlich ein Schnäppchen.
Während unten die Besucher das Foyer mit hoher Erwartung füllten, trudelten die Models im dritten Stock ein, in dicke Bademäntel gehüllt und mit den lustigsten Schlappen an den Füßen: von lila Flauschpantoffel bis zu geblümten Gummi-Clogs war alles vertreten, in dem man latschen kann. Wie junge Mädels kicherten und lachten sie miteinander. Komisch waren die Haare, nicht auszumachen, ob sie echt waren oder die Models Perücken trugen. Die Körper, die unter den Bademänteln vorblitzen, wirkten auch irgendwie echt unecht: allesamt vom Schamhaar-Coiffeur gestylt. Auch die Brüste machten einen gestylten Eindruck, vermutlich durch ein spezielles Make-up.
Wie die Nixen
Unnötig zu erwähnen, dass alle jung und schlank waren. Nur drei der 20 waren eindeutig über 20, zwei davon waren Sängerinnen, erkennbar an dem kleinen Mikrofon vor dem Mund, und die Dritte hatte es wohl wegen ihres knabenhaften Körpers in die Riege der Mädels geschafft, sie trug aber eine lange gelbe Hose. Die eine der beiden Sängerinnen trug eine leuchtfarbene Tunika, und zwei, drei andere trugen ebenfalls einen Body oder ein Kleid. Aber alle hatten High Heels an.
Dann kam Vanessa, und jetzt mussten alle Fotografen den Saal verlassen, „weil Vanessa wahnsinnig nervös ist“. Vanessa, als Künstlerin in Schwarz gekleidet, gab dann noch einige Anweisungen an die nackten Mädels auf High Heels und Susanne Gaensheimer, als Direktorin des Kunsthauses ebenfalls in Schwarz gekleidet, passte auf.
Da saßen sie dann wie Nixen. Die eine der Sängerinnen sang mit nahezu geschlossenem Mund „Uhhhh“, und dann sagte die andere „Be silent“, „Don’t be ashamed.“, „Don’t move quickly.“ Und so weiter. Als nach einer Stunde und mehrfachem Rollentausch klar war, dass nichts Neues mehr kommen würde, lichtete sich der Zuschauer-Reihen schnell. Die Model-Mädels aber blieben stur bei ihrem stieren Blick, und die Sängerin sang, und die Sprecherin sprach.

