Künstler bringt’s auf den Punkt
27.10.2010 - MAINZ
Von Angelika Wende
AUSSTELLUNG Laas Koehler in der Galerie „Keminski & Ich“
„Der bildende Künstler muss essen und braucht eine Krankenversicherung“, konstatiert Laas Koehler. Er ist abhängig vom Verkauf seiner Werke. Und diese Botschaft prangt auf strahlend weißem Grund, in leuchtend roten Punkten von Konzeptkünstler Laas Köhler in Schreibschrift aufs Papier gebracht. Der rote Punkt als Zeichen für das verkaufte Kunstwerk ist das Medium seiner Arbeiten.
Zwanzigtausend in leutendem Rot sind es, die er bisher verklebt hat. Das Ergebnis ist eine Ausstellung in der Galerie Kemenski & Ich, just da, wo das mit den Punkten auch seinen Anfang nahm. Noch bis zum 20. November ist sie dort an Samstagen von 11 bis 13 Uhr zu sehen.
Aus kreativem Schaffensdrang heraus, als er im Hotelzimmer der Eröffnung seiner ersten Ausstellung harrte und auf Bitte des Galeristen hin rote Punkte gekauft hatte, im Falle dass man denn was verkaufe, entstand die Idee zur Punkteserie. Da lagen sie vor seinem Künstlerauge: Vierhunderfünfzig an der Zahl, die auch bei komplettem Abverkauf der Werke noch einen Restposten hinterlassen hätten. „Und weil ich einfach Kunst machen muss und mir langweilig war, hab ich angefangen zu machen“ strahlt der gebürtige Berliner und zeigt stolz auf seine gepunkteten Kunstwerke. Umsetzung und Titel betrachtet der bekennende Autodidakt als gleichwertig. Heißt: Der Betrachter liest was er sieht, falls es denn nicht verstanden werden sollte. Plakativ inszenieren rote Punkte eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wesen des Künstlerlebens und den Fallgruben des Kunstmarktes und da steht dann auch folgerichtig die Kunstmarktpyramide auf dem Kopf, „weil die da Unten, die von der Kunst nicht leben können, sind in der Mehrzahl“, so Koehler. Symbolträchtig und humorvoll ist sein Spiel mit Begriffen, das die Fallgruben und Wahrheiten der Kunstbranche auf den Punkt bringt.

