Von Michael Jacobs
PRÄSENTATION Bildband "Stadtparadiese" eröffnet ungewohnte urbane Einsichten
Schaut man derzeit in den Mainzer Finanzsäckel, dann sprießt dort alles andere als ein Garten Eden. Doch wer genauer hinsehen will, kann in der Stadt auch seine ganz eigenen Paradiese finden: Von einem Reisigbesen aufgescheuchtes Laub im warmen Herbstlicht auf dem Leichhof zum Beispiel. Oder eine Schafsherde im nebelverhangenen Lennebergwald, eine Palme mit Schneemütze an der Saarstraße, zwei Mädchen am Rheinstrand in sommerblauen Kleidchen. Und immer wieder die sandsteinroten Türme des Doms und die sich stets aufs neue verspielt-verspiegelnden Gesichter des Rheins.
Dies sind nur einige urbane Momentaufnahmen eines ungewöhnlichen Buches, das den Blick schärft für architektonische Kleinode, originelle Ansichten, weit ausholende Adlerflüge über die Dächer, amüsante Situationen oder authentische Menschen-Bilder.
Zur offiziellen Vorstellung der druckfrischen "Mainzer Stadtparadiese" hat sich das Verleger-Ehepaar Rupert Krömer und Sabine Theis-Krömer denn auch mit St. Johannis, "dem alten Dom", einen oft übersehenen sakralen Ort im Herzen der City ausgesucht. Und irgendwie war es auch ein paradiesischer Anblick, Oberbürgermeister Jens Beutel, den scheidenden Kulturdezernenten Peter Krawietz und den ehemaligen Baudezernenten Norbert Schüler, dessen langjähriges Wirken, so Krömer, Auslöser für das Buch gewesen sei, noch einmal fromm vereint in den Gebetsbänken der Kapelle sitzen zu sehen.
Das in vaterstädtischem Rot gehaltene, liebevoll gestaltete Werk zum Sattsehen solle mit seinen ausgefallenen Orten und Szenerien das Mainzer Rad in Schwung setzen, "Lust auf Mainz machen", sagte Krömer. Die Stadt entblättere sich hier in "zauberischer Art und Weise". Ermöglicht haben das 33 Fotografen und die Textbeiträge von 55 Mainzer Autoren, darunter auch Karl Kardinal Lehmann, Mainz 05-Präsident Harald Strutz oder Kulturministerin Doris Ahnen. Das opulente Bilderbuch baut sich auf 240 Seiten nach einem vorangestellten "Mainz-Kaleidoskop" um die Hauptachsen "Stadt am Fluss" und "Stadt im Grün" und soll so die Verwurzelung der Menschen und die Entfaltung ihres urbanen Lebensraumes illustrieren.
Auf der von Opernarien, Lichtbild-Projektionen und Panflöten-Klängen flankierten Präsentationsfeier in St. Johannis lobte Beutel die überraschenden Perspektiven und die Vielgestaltigkeit der Motive. Krawietz sagte, das Buch helfe all denen, die bereit seien, paradiesische Seiten zu entdecken, diese nun auch zu finden. Die Bilder, so der kulturpolitische Sprecher der CDU-Stadtratsfraktion Walter Konrad, zeigten, wie beglückend und inspirierend es sei, in dieser Stadt zu leben.
Und sollte mal wieder ein architektonischer Wurf daneben gehen, hat man nun ein Werk voller optischer Wohlfühloasen zur Hand.

