HAUS BURGUND "Déjà-vu" von Patrice Ferrasse
(kuk). Die Mücke ist ein eitles Tier. Patrice Ferrasses riesiges aufblasbares Kunstobjekt ist in die meterhohe Glasvitrine des Hauses Burgund gequetscht. Auf ihrem schlaffen Körper sind unzählige Markennamen gedruckt, dicht gedrängt - Versace, Gucci, Prada. Jedes Mal, wenn ein Passant an dem Schaufenster vorbeigeht, bläht sich das Insekt auf, als wolle es gesehen werden. "Ich habe noch nie so viele kunstinteressierte Kinder vor diesem Pavillon gesehen", sagt Mélita Soost, die Leiterin des Mainzer Haus Burgund zur Eröffnung der Ausstellung "Déjà-vu" von Patrice Ferrasse.
Die überdimensionale "mouche" ist das auffälligste der Kunstwerke, die der Franzose aus seinem Atelier in der Bourgogne mitgebracht hat. Neben weiteren Installationen zeigt der 1962 geborene Künstler auch Fotografien. Diesen ist vor allem eines gemeinsam: die humoristische Dekonstruktion und Umgestaltung von Realität. Ob der Künstler sich lediglich in Unterhose und mit Taucherbrille und Schnorchel kniend auf einem zugefrorenen See ablichtet oder sich auf einem Gehweg unter ein Clown-Plakat setzt, so dass nur noch seine Füße zu sehen sind. Sicher ist nur, dass die Realität - so wie der Betrachter sie kennt - in den Selbstporträts von Ferrasse nicht bestehen bleibt.
"Das Déjà-Vu Gefühl ist hier echt", sagt Dr. Ariane Fellbach-Stein, Referentin des rheinland-pfälzischen Bildungs-Ministeriums bei ihrer Einführung in die Ausstellung. "Grenzen lösen sich auf und werden neu gesetzt. Dadurch wird dem Betrachter klar, wie wir eine oftmals absurde Realität aus Gewohnheit hinnehmen."
Patrice Ferrasse arbeitete 2002 im Rahmen des Kulturabkommens zwischen der Region Burgund und dem Land Rheinland-Pfalz als Stipendiat auf Schloß Waldthausen in Budenheim. Der französische Künstler kommt gerne nach Deutschland. "Die Leute hier mögen meinen Humor", sagt er. Sein oft komischer und bizarr anmutender Blickwinkel hilft dem Künstler, etablierte Regeln zu unterwandern. Existentielle Themen dabei zu berühren, neugierig auf sie zu machen, auch zu schockieren. Zum Beispiel das Bild "Kanin-chen". Der Franzose hat ein Selbstporträt fotografiert. Vor sein rechtes Auge hält er eine Gabel mit einem gehäuteten Kaninchenkopf darauf. Blickt den Betrachter damit durch das Auge des Kaninchens an. Mann und Tier sind verbunden durch einen Blick aus dunklen Augen. Ist das die männliche Schaulust? Das Tier im Menschen? Die Vergänglichkeit der Hülle? "Es ist ein Spiel mit den Codes", sagt Ferrasse. Und weiter: "Humor ist doch das einzige, was angesichts des Todes hilft". Auch der pralle Markenkörper der Riesenmücke bläht sich nur dann auf, wenn Menschen vor ihm stehenbleiben und lachen, danach sackt er wieder in sich zusammen.

