Claudia Schmitz und Liana Zanfrisco stellen aus
(crs).Der erste Blick beim Betreten der Bank fällt auf eine Art weiblichen Pinocchio und dessen lange Nase. In Zeiten globaler Glaubwürdigkeitskrisen könnte so viel Selbstironie überraschen - wenn denn die Assoziation gewollt wäre. Doch ist die profane Geste des mahnenden Zeigefingers (der erhobenen Nase?) wohl kaum Teil der Intention, die die zwei Künstlerinnen im Forum der Mainzer Volksbank verfolgen.
Vor fünf Jahren lernten sich Claudia Schmitz und Liana Zanfrisco beim Studium an der Kunst- und Medienhochschule in Köln kennen. 2007 lud die Italienerin die gebürtige Mainzerin Schmitz zu einer gemeinsamen Ausstellung nach Rom ein. Jetzt erfolgt auf Initiative des Kunstvereins Eisenturm der Gegenbesuch, die "Stanze No2". Selten wurde das Potenzial der Räumlichkeit in dem Maße ausgeschöpft, wie in dem Arrangement der beiden Künstlerinnen geschehen. Überstrahlt wird der wie befreit und erweitert wirkende Raum von einem im Großformat gezeigten Video, in dem Zanfriscos Konterfei in kurzer Abfolge hinter immer neuen Masken erscheint. Pinocchio ist da nur eine Spielart eines Ichs, das mit sich, seinen Identitäten und mit dem Betrachter spielt.
Mit Mehrschichtigkeit und Rollenwechseln setzt sich auch Schmitz in ihren Arbeiten auseinander: Wachs, Acryl und menschliches Haar sind die Grundlage ihrer selbsternannten "Haut-Couture", in der sie jegliche Form von Bekleidung ausblendet und das freilegt, wessen der Mensch sich nicht entledigen kann: die Haut.
Wo die eine Künstlerin mit Masken auf das Dahinterliegende weist, formt die andere ein vertrautes Organ neu, auf dem das Verrätselte vordergründig in Form von Haaren sprießt. Mit jeweils eigenem medialen Zugriff, via Dia- und Videoprojektion, 3D-Brille und Blasebalg, laden beide Künstlerinnen in einer Mischung aus Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern zu einer ungewohnten, geläufige Schönheitsideale herausfordernden Hinterfragung der eigenen Existenz.
Bis 30. April im MVB-Forum, Neubrunnenstraße 2.

