Spuren der Zeit
01.11.2011 - MAINZ
Von Angelika Wende
FOTOGRAFIE II Valérie Wagner präsentiert in der BBK-Galerie die Werkschau „Mit Haut und Haaren“
„Vielleicht ist es so, dass wenn man älter wird, Verletzbarkeit und Vergänglichkeit zum Thema werden“, sagt die Hamburger Fotokünstlerin Valérie Wagner, deren Arbeiten in der Werkschau „Mit Haut und Haaren“ in den Räumen der BBK-Galerie zu sehen sind.
Das Vergehen von Zeit hinterlässt Spuren. Nach diesen Spuren sucht Valérie Wagners fotografisches Auge. Was dann entsteht, sind inszenierte Analogien des scheinbar Anderen, das eine Verbindung eingeht, die von der Dependenz zwischen Mensch und Natur spricht.
Es sind leise Töne, von Achtsamkeit getragen, die in diesen Fotografien schwingen. Die Fotografin tut, was sie tut mit Haut und Haaren, im doppelten Wortsinn. So zeigt die Serie „after shave“ rasierte Körperstellen, deren Formen den „rasierten“ Grünflächen in unseren Städten gleichen, zeigt, da wird etwas weggenommen, das Natur ist, an uns und um uns, wird am Wachsen gehindert, mit scharfem Werkzeug abrasiert.
In einem anderen Zyklus sehen wir weiße Haarpracht auf Köpfen unterschiedlich alter Protagonisten, die sich gegen ein Schönheitsideal wenden, das das Älterwerden in unserer vom Jugendwahn geprägten Gesellschaft als sichtbares Zeichen des Verfalls verdrängt. Wagner setzt dagegen, bildet die Ästhetik der weißen Haarpracht ab, lässt sie im Weiß des Schnees der Landschaft wie in einem Spiegel reflektieren. Und schaut man den letzten Zyklus dieser Werke, dann ist es fast so, als wolle die Künstlerin eine mögliche Lösung geben, die in jenen Bildern zu finden ist, wo Mönche in ihren Gemeinschaften leben, an einem Ort, an dem Natur, Mensch und Vergänglichkeit nicht als ein Getrenntes erlebt werden.

