Blick aus dem Strandhaus
10.05.2011 - MAINZ
SYLT-IMPRESSIONEN Drei norddeutsche Künstler zeigen ihre Arbeiten in der Galerie Art Mayence
(asche). Man kann fast schon die Wellen der Nordsee rauschen hören, wenn man in diesen Tagen die Galerie Art Mayence in der Gaustraße betritt - so plastisch treten dem Betrachter die Strandkonturen von Sylt in den Gemälden der drei norddeutschen Künstler Lars Möller, Till Warwas und Ulf Petermann entgegen.
Die Auswahl ihrer Sylt-Impressionen ist frei von Strandkörben, Hindenburg-Eisenbahndamm oder den charakteristischen Reetdach-Häusern, konzentriert sich stattdessen lieber auf eine romantisierte und zeitlose Küstenatmosphäre. Teilweise zierlich, kaum größer als eine Ansichtskarte, aber ebenso als plakative Zwei-Meter-Wucht, die die Panoramaperspektive in ihrer Wirkung erhöht.
Die Arbeiten wirken bisweilen so echt wie ein Blick aus dem Fenster eines Strandhauses. Den größten Teil der rechteckigen Leinwandflächen vereinnahmen die drei Hauptfarbtöne von Himmel, Meer und Sand. In manchen Stücken bildet die Sommerbekleidung der Strandbesucher bunte Farbtupfer. Genau wie der kontrastreiche rot-weiße Anstrich der gusseisernen Bilderbuch-Leuchttürme am nördlichen Ellenbogen und südlichen Hörnum der nordfriesischen Insel.
Möller, Warwas und Petermann fangen die Stimmung der heimatlichen Landschaft in ihrer kargen Ästhetik mit allen Aggregatzuständen ein: konturenstarke Schattenwürfe an der Steilküste, bei tiefstehender Sonne, bleigrauer Regenhimmel, der am Horizont mit dem Meeresspiegel verschwimmt, aufgewühlte Gewitterwolken oder Binsengrasbüschel auf einem Dünenabschnitt in diesig unscharfer Nebelverschwommenheit.
Die Paste der Ölfarbe tritt kraftvoll aus dem Bild hervor als Gischt auf dem Wellenkamm. In einer anderen Gezeiten-Impression sieht sich der Betrachter an einem Priel vor der schiffsfreien Aussicht des Wattenmeers.
Besonders reizvoll ist der Vergleich der Interpretation der drei Künstler. Wenn auch ihre Perspektive die selbe gewesen sein mag, als sie ihre Werke entstehen ließen, und sie als Mitglieder der Künstlergruppe Norddeutscher Realisten die gleichen Interessen teilen, so drücken sich oft in den Resultaten doch drei unterschiedliche Sichtweisen aus, die allerdings große stilistische Schnittmengen finden.

