GEDENKEN Messingplatte in der Mainzer Straße 31 erinnert an Otto und Olga Mayer und deren Tochter Margot
(pea). Vor wenigen Wochen hat der Kölner Künstler Günter Demnig auf Initiative des Deutsch-Israelischen Freundeskreises (DIF) zwölf weitere Stolpersteine im Stadtgebiet verlegt. Sie erinnern an Ingelheim Juden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Wer waren die jüdischen Familien, an die mit den Gedenktafeln aus Messing erinnert wird? Dieser Frage geht die Allgemeine Zeitung in einer vierteiligen Serie nach.
Die Kinderverschickung nach England dürfte den jüdischen Geschwistern Ruth und Berthold Mayer im Zweiten Weltkrieg das Leben gerettet haben. Denn anders als ihre ältere Schwester Margot entgingen sie der Deportation durch die Nationalsozialisten. Nach der Reichspogromnacht im November 1938 entschieden sich die Eltern Otto und Olga Mayer, ihre beiden jüngeren Kinder Ruth (13) und Berthold (10) nach Birmingham zu schicken. Nur die älteste Tochter Margot Lea, damals 16, blieb bei den Eltern in Nieder-Ingelheim. In der Mainzer Straße 31 hatten die Mayers im 1. Stock eine Drei-Zimmer-Wohnung gemietet.
Otto Friedrich Mayer, Jahrgang 1882, war gebürtiger Nieder-Ingelheimer. Die Eltern, die einen Weinhandel hatten, lebten in der Mainzer Straße und danach in der Grundstraße. Ihr Sohn Otto Mayer stieg in den elterlichen Betrieb ein und arbeitete später als Weinhändler und Kaufmann im Außendienst. Geschäftlich war der nur 1,50 Meter große Mann offenbar nicht sonderlich erfolgreich, dafür engagierte er sich ehrenamtlich in der Nieder-Ingelheimer Sanitätskolonne. Am 23. Januar 1922 heiratete Otto Mayer die Ober-Ingelheimerin Olga Philippine Mayer, Tochter von Moritz und Henrietta Mina Mayer, die eine Kohlenhandlung in Ober-Ingelheim hatten.
Nach der Hochzeit zogen Otto und Olga Mayer mehrfach innerhalb Ingelheims um. Zuletzt mieteten sie sich bei Familie Mett in der Mainzer Straße ein. Nach dem Pogrom 1938 wurde Otto Mayer zum ersten Mal verhaftet und im KZ Buchenwald interniert. Nach seiner Entlassung im Dezember 1938 beschlossen er und seine Ehefrau, die beiden jüngeren Kinder Ruth und Berthold nach England in Sicherheit zu bringen.
Die drei in Deutschland verbliebenen Familienmitglieder zogen am 9. September 1939 von Ingelheim in die Martinstraße nach Mainz. Doch auch dort holte sie der Terror ein. Am 12. Dezember 1941 wurde Otto Mayer erneut verhaftet. Nachdem er mehrere Haftanstalten und Lager durchlaufen hatte, starb er am 26. April 1942 im KZ Neusustrum. Todesursache war laut Krankenakte eine „Kreislaufschwäche“.
Die 19-jährige Tochter Margot wurde am 20. März 1942 in der Mainzer Wohnung der Mayers abgeholt und in den Osten deportiert. Ihr Mutter Olga Mayer blieb nun allein zurück. Der Kontakt mit ihren beiden jüngeren Kindern in England beschränkte sich auf sporadische Briefwechsel. Am 30. September 1942 schließlich wurde auch Olga Mayer deportiert. Ebenso wie ihre Tochter Margot wurde sie in den Osten verschleppt. Beide, Mutter und Tochter, wurden zum 31. Dezember 1945 für tot erklärt.
Ruth und Berthold Mayer, die den Krieg in England überlebten, wanderten 1948 nach New York aus. Erst Jahre später erfuhren sie vom Schicksal ihrer Eltern und ihrer Schwester Margot.
An den letzten Wohnort der jüdischen Familie Mayer in Ingelheim erinnern heute drei Stolpersteine für Otto, Olga und Margot vor dem Haus in der Mainzer Straße 31.

