Von Björn-Christian Schüßler
VERDIENSTORDEN Würdigung für Israel-Kenner Hans-Georg Meyer aus Ingelheim
"Wer an Israel denkt, muss dabei auch an Palästina denken", sagt Hans-Georg Meyer, frisch ausgezeichneter Träger des Landesverdienstordens Rheinland-Pfalz. Doch während die Christenwelt dieser Tage wegen Weihnachten unbewusst an Palästina denkt - Bethlehem als Geburtsort Jesu befindet sich auf Palästinensergebiet - kümmert sich der Ingelheimer rund ums Jahr aktiv um die Beziehungen zwischen Deutschen, Israelis und Palästinensern.
Seit 1995, als Meyer den Verein "Givat Haviva Deutschland" ins Leben rief, um mit dieser Bildungs- und Begegnungsstätte zwischen Tel Aviv und Haifa die Verständigung der jüdischen und arabischen Bevölkerung zu verbessern, liegt ihm das Thema der Versöhnung vor Ort am Herzen.
Auch die Verbesserung und Pflege der deutsch-israelischen Beziehungen sowie die Versöhnung mit den Opfern des Nationalsozialismus waren Ziele, auf die der 64-Jährige schon während seiner Zeit als Direktor und stellvertretender Direktor der Landeszentrale für politische Bildung in Mainz tatkräftig hinarbeitete. Noch heute, vier Jahre nach seiner Versetzung in den Ruhestand, organisiert Meyer regelmäßig Reisen nach Israel für seinen ehemaligen Arbeitgeber.
"Aber auch sonst bin ich privat noch viel in Israel", sagt Meyer und erzählt Anekdoten von seinen Besuchen. Auch den Kontakt zu Ingelheimer Juden, die mittlerweile in Israel, den USA und Argentinien leben, ließ Meyer nie abreißen.
Mit der Gründung des "Deutsch-Israelischen Freundeskreises Ingelheim" im Jahr 1983 und der 20-jährigen Tätigkeit als Vorsitzender baute er das Fundament für die Versöhnung und schloss manche persönliche Freundschaft.
Bei Meyers Erzählung fallen auch Namen ehemaliger und aktueller Führungskräfte im israelischen wie arabischen Spektrum.
Er habe auf allen Seiten Bekannte und auch Freunde, sagt Meyer und betont: "Meine Anliegen zur Verständigung werden von ihnen akzeptiert, weil sie merken, dass ich es nicht nur zum Effekt tue oder um mich darzustellen." Zusätzlich organisiert der Ingelheimer Begegnungen bei deutsch-israelisch-palästinensischen Autorentreffen. "Wir haben schon elf Treffen gehabt, und das war immer ein großer Erfolg", zieht Meyer ein positives Zwischenfazit.
Ein weiterer Schwerpunkt in Hans-Georg Meyers ehrenamtlicher Tätigkeit im deutsch-jüdischen Dialog bildet die Gedenkarbeit, die sich am deutlichsten in der Gesamtkonzeption der Gedenkstätte KZ Osthofen äußert. Für dieses Engagement und seine vielfältige Beschäftigung mit dem Thema wurde Meyer in dieser Woche von Ministerpräsident Kurt Beck die höchste Auszeichnung des Landes Rheinland-Pfalz zuteil, der Landesverdienstorden.
"Vor allem die inhaltliche, organisatorische und bauliche Realisierung der Konzeption für die beiden Gedenkstätten KZ Osthofen und SS-Sonderlager/KZ Hinzert ist in großem Umfang von Herrn Meyer erarbeitet und umgesetzt worden und wäre ohne sein weit über das normale Maß hinausgehende Engagement und seine Vernetzung mit den Organisationen der deportierten Nazi-Opfer in den Nachbarländern in dieser Weise nicht möglich gewesen", sagte Beck in seiner Laudatio.
Als Gratulanten waren auch Landrat Claus Schick und Ingelheims Bürgermeister Ralf Claus in die Mainzer Staatskanzlei gekommen. "Ein Höhepunkt, der mich sehr bewegt hat", sagt Meyer, der früher auch das Bundesverdienstkreuz erhalten hatte.
Seit 1982 wird der Landesverdienstorden vergeben, er ist auf 800 lebende Träger begrenzt.
Aktuell plant Hans-Georg Meyer das Projekt "Ingelheim im Nationalsozialismus". Und: "Es wird im nächsten Jahr in Ingelheim eine Ausstellung dazu geben", kündigt Hans-Georg Meyer an.

