Montag, 13. Februar 2012 07:29 Uhr
URL: http://www.allgemeine-zeitung.de/region/ingelheim/ingelheim/5162433.htm

Allgemeine Zeitung

Ingelheim 

"Projekt ist in dieser Form einzigartig"

27.11.2007 - INGELHEIM

Von Beate Schwenk

Stadt Ingelheim will die Zeit des Nationalsozialismus wissenschaftlich aufarbeiten

INGELHEIM Ingelheim will die Zeit des Nationalsozialismus systematisch aufarbeiten. In Kooperation mit dem Deutsch-Israelischen Freundeskreis (DIF) sowie Historikern der Uni Mainz soll dieses düstere Kapitel wissenschaftlich untersucht und dokumentiert werden.

Als Projektkoordinatorin fungiert Caroline Klausing, Doktorandin am Lehrstuhl für Zeitgeschichte der Uni Mainz. Das Ingelheimer Projekt sei in dieser Form bisher einzigartig, betont die Koordinatorin. Es gebe zwar Gemeinden, die ihre Geschichte aufarbeiteten, das, was in Ingelheim geschehe, habe jedoch Modellcharakter. Das Konzept sei als "Projekt von Bürgern für Bürger" angelegt. "Daher", so Oberbürgermeister Joachim Gerhard, "sind alle eingeladen, aktiv mitzuwirken." Bürger, Vereine, Verbände und Schulen können einen Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Ingelheim leisten. Dies ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil die Quellenlage äußerst schwierig ist. Viele Dokumente aus der NS-Zeit sind verschwunden oder wurden nach dem Krieg gezielt vernichtet. Im Zentrum des Gesamtprojekts steht eine Publikation, die im Jahre 2009 erscheinen soll. Darin werden Themen wie Widerstand, NSDAP, Entnazifizierung oder Gerichtsverfahren abgehandelt. Auch den Kirchen, Schulen und Vereinen sowie dem Schicksal der Ingelheimer Juden sind eigene Kapitel gewidmet. An der Publikation arbeiten neben Caroline Klausing und Professor Michael Kißener, in dessen Händen die wissenschaftliche Gesamtleitung liegt, auch zahlreiche Ingelheimer mit. Im Fokus der Untersuchung steht nicht nur die Zeit von 1933 bis 1945. "Der Nationalsozialismus ist weder 1933 vom Himmel gefallen, noch ist er 1945 zu Ende gegangen", betonte Hans-Georg Meyer, Ehrenvorsitzender des DIF, bei der Vorstellung des Konzepts. Es habe "eine Vorgeschichte und Nachwehen" gegeben. Daher richte man den Blick auf die Zeit von 1919 bis 1951. Eingebunden werde die Buchveröffentlichung in ein umfangreiches Begleitprogramm, kündigte der Oberbürgermeister an. So werde es bereits im nächsten Jahr zahlreiche Vorträge, Ausstellungen und Gedenkveranstaltungen geben. Eine davon findet am 7. Mai, dem 75. Jahrestag der Bücherverbrennung, statt. Auch zur Reichspogromnacht, die sich am 9. November 2008 zum 70. Mal jähren wird, gibt es mehrere Begleitveranstaltungen. In einer Sonderausstellung im Museum wird die Geschichte der Israelitischen Gemeinde in Ober-Ingelheim dokumentiert. Geplant ist ferner ein Besuch ehemaliger Ingelheimer Juden in ihrer früheren Heimatstadt. Sechs bis sieben Überlebende, die heute in Südamerika, den USA oder Israel leben, werden nach Ingelheim kommen. Zugleich soll im nächsten Jahr auch der Synagogenplatz in Ober-Ingelheim neu gestaltet werden. Und schließlich wird der Kölner Künstler Gunther Demnig 25 weitere Stolpersteine im Stadtgebiet verlegen. Mit der Aktion will der DIF an deportierte und ermordete Ingelheimer Juden erinnern. Kommentar


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