Donnerstag, 09. September 2010 18:45 Uhr
URL: http://www.allgemeine-zeitung.de/region/ingelheim/ingelheim/4731791.htm

Allgemeine Zeitung

Ingelheim 

Kneipengäste gehen früher nach Hause

22.02.2008 - INGELHEIM

Von Conny Haas

Manche Wirte verzeichnen durch Rauchverbot Umsatzeinbußen / Stadt verbietet Pavillon

INGELHEIM Seit einer Woche gilt nun das Nichtraucherschutzgesetz. Mit welchen Problemen haben seitdem die Gastronomen zu kämpfen? Bleiben die Gäste tatsächlich zu Hause? Erhöht sich der Lärmpegel vor den Kneipen? Die AZ hat sich in Ingelheim umgehört.

Deutliche Einbußen verzeichnen derzeit die Betriebe, die ihren Gästen keinen Raucherraum anbieten können. Nerzan Claus vom Keller-Kunst-Keller zieht Bilanz: "Die Gäste sind zwar tolerant, aber seit das Gesetz greift, ist die Verweildauer zurückgegangen und somit auch der Umsatz." Ähnlich ergeht es Hans Bauer von "Hans´ Bar". Er hat zwar einen Nebenraum, aber "die Stammgäste wollen im Thekenbereich würfeln oder Karten spielen und nicht abgeschoben werden." Kaum Einbußen verzeichnen in Ingelheim die gehobene Gastronomie und die Betriebe, die sich ein separates Raucherzimmer leisten können. Laut Ralf Wedekind von Burg Horneck ist in den vergangenen zwei Jahren die Anzahl der Nichtraucher größer geworden. Zudem neigten immer mehr Raucher dazu, im Speiselokal auf den Glimmstängel zu verzichten. Für die wenigen, die dennoch nicht auf eine Zigarette nach dem Essen verzichten wollten, habe er eigens eine Raucherlounge eingerichtet, in die sich die Gäste zurückziehen können. "Das wird sehr gut angenommen", meint Wedekind. Edmund Fetzer vom Lindenhof hat bereits Lehrgeld bezahlt. Weil er sein Lokal zum 1. Januar zur rauchfreien Zone erklärt hatte, blieben die Gäste aus. Jetzt hat er reagiert. "Wir haben ein Raucherzimmer eingerichtet. Es wird gut angenommen", freut sich der Gas- tronom. Trotzdem macht er (selbst Nichtraucher) seinem Unmut Luft: "Im Prinzip werden die Raucher in ihrer Freiheit eingeschränkt. Warum dürfen die Wirte nicht selbst entscheiden, ob sie ein Raucher- oder Nichtraucherlokal wollen?" Ungerecht behandelt fühlt sich auch Ayman Karime vom "Apricot". Bereits seit der Eröffnung im vergangenen Jahr besteht in seinem Café Rauchverbot. "Die Gäste haben sich daran gewöhnt, gehen zum Rauchen auf die Terrasse, die auch im Winter mit geschmackvollen Stühlen ausgestattet ist", sagt Ayman Karime. Und genau das ist das Problem. Immer wieder gibt es Ärger mit den Anwohnern, die sich über Lärm beschweren. "Nicht zuletzt aus dem Grund habe ich einen stilvollen, zum Ambiente passenden Pavillon für 3000 Euro gekauft, der Schutz vor Regen bietet und Lärm abhält." Aber genau diesen Pavillon musste er wieder abbauen. Warum? Der Pressesprecher der Stadt Ingelheim, Bernd Velten, erklärt: "Das Aufstellen von Pavillons im öffentlichen Verkehrsraum wird grundsätzlich nicht genehmigt, da der Antrag zumeist Flächen betrifft, die den Fußgängern oder dem ruhenden Verkehr vorbehalten sind." Für den Stadtzentrumsbereich habe die Stadt daher eine Gestaltungsrichtlinie erlassen, nach der Pavillons nicht genehmigt werden.

Die Gäste des Café Apricot haben sich daran gewöhnt, dass sie ihre Zigarette fortan auf der Terrasse rauchen müssen. Viele bedauern aber, dass ein Pavillon aufgrund von Gestaltungsrichtlinien der Stadt wieder entfernt werden musste.Conny Haas


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