Von Lena Fleischer
RHEINUFER Ein Jahr nach dem tödlichem Badeunfall seiner Tochter fordert Vater erneut Aufsicht
„Ein Jahr ist vorbei und es ist nichts geschehen.“ So lautet das Fazit, das Marlene und Friedrich Först ziehen, nachdem ein Badeausflug Mitte August vergangenen Jahres für ihre damals 25-jährige Tochter Tanja tödlich endete.
In den Fluten des Rheins suchte die junge Frau mit ihrem Lebensgefährten und drei Nichten Erfrischung und fuhr zum Strandbad in Frei-Weinheim. Das Bad ist jedoch keine offizielles, bewachtes Strandbad. Wer hier schwimmt, tut das auf eigene Gefahr.
Für Überwachung zumindest an Wochenenden
Dass das Schwimmen hier überhaupt geduldet ist, kann Vater Friedrich Först schier nicht ertragen. Er sagt: „Dauernd begeben sich hier viele Menschen in Lebensgefahr.“ Genau die Stelle des Rheins, die seiner Tochter zum Verhängnis wurde, habe schon mehrere Menschen das Leben gekostet.
Dass Ingelheims Oberbürgermeister, Dr. Joachim Gerhard, jüngst erneut darauf hingewiesen hat, dass das Schwimmen im Rhein gefährlich ist, weil der Rhein nun mal kein Badeteich, sondern Deutschlands meist befahrene Binnenwasserstraße sei, reicht Först nicht. Er sagt: „Es müsste, zumindest an den Wochenenden, eine Strandüberwachung geben.“ Er findet außerdem, Ehrenamtliche, die diesen Dienst übernähmen, gehörten vergütet, und zwar von der Stadt. „Die Stadt sollte beispielsweise Gespräche mit der DLRG führen“, so sein Vorschlag. Die Ortsgruppe Ingelheim der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft indes legt in ihrer Arbeit das Hauptaugenmerk auf Präventionsarbeit, bringt im Regionalbad „rheinwelle“ in Gau-Algesheim sowohl Kindern als auch Erwachsenen das Schwimmen bei und schult Menschen, die ihren Tauch- oder Rettungsschein machen wollen. Einen Wachdienst am Rhein übernimmt die DLRG jedoch nicht, „weil wir keine Beauftragung haben“, sagt Vorsitzender Franz Stecha.
Er weiß um komplizierte Zuständigkeiten und erklärt, Eigentümer der Wasserstraße sei die Bundesrepublik, fürs Ufer sei das Land zuständig und für den Strandstreifen, der weiter ins Landesinnere reicht, die Stadt. Boote der DLRG seien allerdings der Feuerwehr Ingelheim angeschlossen. Wenn also etwas passiert, wird auch die DLRG per Funk alarmiert - und kommt dann zum Einsatz.
„Verantwortung wird abgeschoben“
„Aber einen offiziellen Wachdienst machen wir nicht“, stellt Stecha klar.
Zudem lädt er jeden Interessierten ein, montags ab 18 Uhr in die rheinwelle zu kommen, um sich beim Übungsabend der DLRG direkt über deren Arbeit zu informieren.
„Die Verantwortung wird abgeschoben“, steht für Först fest, der findet, die Stadtverwaltung mache es sich leicht: „Sie sagt einfach, Schwimmen im Rhein ist verboten, und dann hat sie ihre Ruhe.“
Die Schilder am Zugang zum Strandgelände, die es sehr wohl gibt und die darauf hinweisen, dass das Baden im Rhein auf eigene Gefahr geschieht, seien „zu weit weg“, findet Först. Er kann sich weiterhin etwa eine Absperrung im Wasser vorstellen, spricht von nicht rostenden Seilen, die, an Pfosten gespannt, ein klares Signal geben sollten: bis hierhin und nicht weiter. „Man braucht doch nur zwei oder drei Meter ins Wasser zu gehen, das reicht schon“, sagt der Mann, der um seine im Rhein ertrunkene Tochter trauert. „Das Wasser sieht harmlos aus, ist aber hochgefährlich“, verweist er auf Schlingpflanzen, Strudel und Unterströmungen.
Friedrich Först fordert: „Das Thema der Sicherheit am Strandbad muss in den Stadtrat.“ Er hofft, eine Partei möge sich endlich seines Anliegens annehmen und einen entsprechenden Antrag stellen, damit über die Sicherheit der Badenden gesprochen und beraten wird - und damit sich vor Ort etwas verändert. „Ich bin mir sicher, sonst wird dort wieder etwas passieren, früher oder später.“ Und dieses Leid möchten er und seine Frau anderen Eltern ersparen.


klar,
man kann den Vater verstehen, aber warum soll die Stadt in Zeiten klammer Kassen noch Wachpersonal abstellen, wenn sie mit Schildern darauf hinweist dass das Schwimmen im Rhein verboten ist.
Es ist ja auch verboten auf Autobahnen spazieren zu gehen und keiner ist auf die Idee gekommen jeden Autobahnkilometer überwachen zu lassen ob es nicht doch einen gibt. Wenn Erwachsene Leute wissen dass das Schwimmen im Rhein eine Gefahr birgt und gehen trotzdem rein, dann sind sie leider selbst schuld, so bitter das auch klingt.