„Lieben sich heiß und innig“
14.06.2010 - INGELHEIM
Von Beate Schwenk
DOPPELTE Freude Mütter- und Familienzentrum ermöglicht Austausch unter Eltern von Zwillingen
Die Zwillinge Naemi und Sophia sind zwei aufgeweckte Blondschöpfe. Und sie sind leicht auseinanderzuhalten. Meistens jedenfalls, denn ihre Mutter Franziska Emmermann zieht sie in der Regel unterschiedlich an. Ohne dieses Hilfsmittel wären die beiden Dreijährigen kaum zu unterscheiden. Sophia und Naemi gleichen einander fast wie ein Ei dem anderen. „Nur Sophia hat größere Augen als Naemi“, erklärt die Mutter.
Keine derartigen Hilfsmittel brauchen die Menschen im Umfeld von Constanze Gerbig. Bei ihren Zwillingen Katherina und Manuel besteht keine Verwechslungsgefahr. Sonst aber, sagt die junge Frau, zeige das Pärchen ein typisches Zwillingsverhalten. Die beiden Dreijährigen haben eine ganz enge Bindung zueinander. „Sie lieben sich heiß und innig und gucken auch immer nacheinander“, erzählt die Mutter. Charakterlich indes seien die Geschwister grundverschieden. Manuel tobe gerne herum, Katherina schätze feinmotorische Betätigungen. „Ein typischer Junge eben und ein typisches Mädchen“, stellt die Mutter fest.
Ein Vorteil, den beide Zwillingsmütter in ihrem Alltag schätzen, ist, dass ihre Kinder immer einen gleichaltrigen Spielkameraden um sich haben. Sie müssen nicht erst Freunde oder Nachbarskinder einladen, um nicht allein spielen zu müssen. Und das ist nicht der einzige Vorzug, wie die Frauen betonen. Zwillinge zu haben, das sei nicht nur etwas Besonderes, es bedeute auch doppelte Freude. „Ich möchte nicht tauschen“, sagen sie denn auch wie aus der Pistole geschossen. Und das, obwohl ihnen zu Anfang, wie sie bekennen, schon etwas mulmig war.
Als Franziska Emmermann erfuhr, dass sie Zwillinge bekommen würde, gab es im Umfeld erst mal die üblichen Kommentare. Sätze wie „Ach Gott, du Arme“ oder „Da könnt ihr euch ja auf etwas gefasst machen“ klangen nicht gerade ermutigend. Doch für langes Kopfzerbrechen blieb keine Zeit. „Bei uns stand erst mal ein Umzug an“, erinnert sich Constanze Gerbig. Die Dreizimmerwohnung war zu klein für die bald fünfköpfige Familie. Auch bei Emmermanns musste gehandelt werden. Um den sperrigen Zwillingswagen transportieren zu können, brauchte man ein neues Auto.
Durch die Geburt der Zwillinge habe sich zwar Vieles geändert, letztlich sei alles aber nicht so dramatisch gewesen, wie es von außen prognostiziert worden war. Im Grunde sei alles nur eine Frage der Logistik. „Am besten mit allem fünf Minuten früher anfangen“, ist ein banaler, aber effektiver Trick.
Um die täglichen Herausforderungen zu meistern, ist auch Kreativität und Findigkeit gefragt. Will man beim Essen zum Beispiel kein Geschrei heraufbeschwören, kann man mit etwas Koordinationsgeschick die Kinder beidhändig füttern.
Kennengelernt haben sich die Constanze Gerbig und Franziska Emmermann im Zwillingstreff des Mütter- und Familienzentrums (MütZe). Eine gute Möglichkeit, sich darüber auszutauschen, wie es anderen Eltern geht, sagen die beiden Frauen. Gerade ist dort ein neuer Zwillingstreff für Kinder ab neun Monaten im Aufbau.

