Reise ins ferne Russland
03.04.2010 - INGELHEIM
Von Beate Schwenk
FERIENPROGRAMM Kinder lernen kyrillische Schrift und Matrjoschkas kennen
"Russland mit allen Sinnen erleben" - das wollten 15 Mädchen und Jungs, die an dem Ferienprogramm des "Mütter- und Familienzentrums" (MütZe) teilnahmen. Dabei wurden die MütZe-Räume vier Tage lang zu einem "russkij dom", einem russischen Haus. In diesem Ambiente versuchten Svetlana Mikichur und Natali Kist, zwei russische Studentinnen, den deutschen Kindern ihre Heimat ein wenig näher zu bringen. Auf spielerische Weise wollten sie die Sechs- bis Zwölfjährigen für das ferne Russland begeistern.
Das riesige Land, das bis vor zwei Jahrzehnten noch hinter dem eisernen Vorhang lag, war für viele der Kinder zunächst einmal kein Begriff. "Nicht viel" oder "gar nichts" antworten die meisten auf die Frage, was sie vor dem Start des Ferienprogramms von Land und Leuten wussten. "Kaum etwas", räumen auch Leila (10) und Rafael (10) ein. "Ich wusste nur, dass Russland groß ist, und dass es dort diese coolen Püppchen gibt", sagt Rafael. Gemeint sind die bunt bemalten Matrjoschkas, die sich mehrfach ineinander schachteln lassen. Als Spielzeug oder Souvenir erfreuen sich die eiförmigen Holzpüppchen nicht nur in Russland großer Beliebtheit.
Und auch die Kinder beim Ferienprogramm haben Spaß daran, ihre eigene Matrjoschka herzustellen. Dazu müssen sie die Holzpüppchen zunächst fein säuberlich anmalen und dann wieder ineinander verschachteln. Gelernt haben die Mädchen und Jungs auch, dass man in Russland mit ganz anderen Buchstaben schreibt. "Wir sollten unseren Namen auf Russisch aufschreiben", berichtet Rafael. Das, räumt er ein, sei nicht so einfach gewesen. Denn die kyrillische Schrift unterscheidet sich zum Teil ganz erheblich von unserem lateinischen Alphabet.
Die achtjährige Anna dagegen hat es vergleichsweise leicht. Sie muss nur einen Buchstaben lernen, denn das kyrillische A sieht genauso aus wie in unserem Alphabet. "Und das N wird einfach zum H", grinst die Achtjährige.
Gut aufgepasst hat sie auch bei der landeskundlichen Einführung. "Wir haben gelernt, dass Deutschland 48mal in Russland passt. Und dass da doppelt so viele Menschen leben wie in Deutschland", erzählt sie ganz versiert. "Im Winter ist es so kalt, dass die Autos einfrieren, und außerdem gibt es in Russland viele Braunbären und Wölfe."
Neben Grundkenntnissen über Land und Leute vermitteln die beiden Studentinnen den Kindern auch ganz praktische Erfahrungen: Es wird ein russischer Tanz einstudiert, ein russisches Lied gesungen, und es wird sogar gemeinsam gekocht. Ein Fleischgericht und eine vegetarische Mahlzeit werden nach russischem Originalrezept in der Küche des Hauses fabriziert. "Außerdem gibt es einen russischen Nachtisch", verrät Ute Schmidt, Koordinatorin des Ferienprogramms.

