von Beate Schwenk
Fast 20 Jahre hat sich die Sanierung der Wehranlage rund um die Ober-Ingelheimer Burgkirche hingezogen. Am Sonntag war es endlich so weit: Im Rahmen eines Festaktes im Rosengärtchen wurde das runderneuerte Bauwerk der Öffentlichkeit vorgestellt. Gefeiert wurde nicht nur die Wiederbegehbarmachung des historischen Wehrganges, sondern auch der 20. Geburtstag des Vereins “Pro Ingelheim", der das Projekt maßgeblich vorangetrieben und mit Spendengeldern bezuschusst hat.
Wunderschöner Rundblick
Nachdem das rote Band am Aufgang sauber durchschnitten war, strömten die ersten Besucher in Scharen die Stufen hinauf. Denn zum ersten Mal konnte man eine komplette 360-Grad-Runde auf dem Wehrgang absolvieren. Geduldig schob man sich in einer langen Schlange voran zunächst bis zum Nordturm, der nach 25 Jahren nun wieder begehbar ist. Von dort ging es weiter über das Burgtor bis hin zum 19 Meter hohen Malakoffturm. Wer den Aufstieg nach oben nicht scheute, wurde auch hier bei strahlendem Sonnenschein mit einem wunderschönen Rundblick belohnt.
Dank “Pro Ingelheim"
Mit der Fertigstellung des letzten Bauabschnitts zwischen Nordturm und Burgtor ist das größte Projekt des Vereins “Pro Ingelheim" zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen. Seit seiner Gründung im April 1989 habe dieses Vorhaben immer hohe Priorität gehabt, blickte Vorsitzender Hans-Dieter Steuber auf zwei Jahrzehnte Vereinsarbeit zurück. Die Beharrlichkeit, mit der man die Sanierung begleitet habe, habe sich letztlich ausgezahlt.
Doch nicht nur Steuber und seine Vereinskollegen freuten sich über das gelungene Ergebnis, auch Oberbürgermeister Dr. Joachim Gerhard war zufrieden. In seinem Grußwort dankte er “Pro Ingelheim" für das Engagement und die Ausdauer, mit der man das Projekt begleitet habe, vergaß dabei aber nicht zu erwähnen, dass die Stadt auch einiges an Geld investiert hat.
“Schmuckkästchen" am Rhein
Allein der letzte Bauabschnitt habe rund 600.000 Euro gekostet. Insgesamt wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt 1,5 Millionen Euro in die historische Wehrmauer gesteckt, die Anne Hamm von der Burgkirchengemeinde als “Schmuckkästchen" bezeichnete. Die Festrede hielt Dr. Graf Franz Anselm von Ingelheim, dessen Vorfahren aus Ober-Ingelheim stammen. Die Grafen von Ingelheim zählen zu den ältesten Adelsgeschlechtern am Rhein.
Seine Vorfahren, so der Graf, seien sicher in irgendeiner Form am Bau der Wehranlage beteiligt gewesen. “Die Wehrmauer schützte ein 9.000 Quadratmeter großes Gelände, das im Falle einer Belagerung Ober-Ingelheims die letzte Rückzugsmöglichkeit sein sollte", erinnerte er an die ursprüngliche Bestimmung der Anlage. Zum Glück sei es in der Historie aber nie dazu gekommen.

