Von Beate Schwenk
GRUNDSCHULE Förderarbeit im Unterricht auf DVD dokumentiert
Die individuelle Förderung wird an der Brüder-Grimm-Schule besonders großgeschrieben, denn die Grundschule in Ingelheim-Nord ist eine Schwerpunktschule. Das heißt, unter den rund 250 Kindern, die hier die Schulbank drücken, sind auch Mädchen und Jungs mit Beeinträchtigungen. Offene Unterrichtsformen, die die individuellen Stärken und Begabungen in besonderer Weise fördern, nehmen daher breiten Raum ein.
Eines der pädagogischen Konzepte, das an der Brüder-Grimm-Schule mit Erfolg praktiziert wird, ist die Atelierarbeit, die von Ursula Baumann und Uschi Talgeh initiiert wurde. Die beiden Lehrerinnen haben ihre Arbeit im Klassenraum auf einer DVD dokumentiert, um das Konzept auch über die Schule hinaus publik zu machen. Entstanden ist ein rund 25 Minuten langes Filmprojekt, das vom Pädagogischen Zentrum in Bad Kreuznach und vom Landesmedienzentrum gefördert wurde. Die DVD trägt den Titel "Atelierarbeit und Werkstattlernen in der Grundschule" und zeigt, wie sich das Lernen in Ateliers in der Praxis vollzieht.
Im Klassenraum sind vier kleine Werkstätten oder Lernateliers eingerichtet: Es gibt ein Sprachatelier, ein Matheatelier, ein Sachatelier und ein Künstleratelier. Bei Unterrichtsbeginn begeben sich die Schüler in eines der Ateliers, wo sie aus einem Karteikasten eine Aufgabe auswählen. Bei der Umsetzung arbeiten die Schüler allein, zu zweit oder in Gruppen, wobei jedes Kind nach seinem eigenen Rhythmus agiert. So werden die leistungsstärkeren Schüler gefordert, die leistungsschwächeren gefördert.
Das Lernen in Ateliers, das zurzeit in zwei Klassen praktiziert wird, hat nicht nur die Eltern überzeugt. Auch Fachleute halten Atelierarbeit für eine effektive Unterrichtsform, und zwar nicht nur für Schwerpunktschulen. Gerade nach den Erfahrungen mit der Pisa-Studie, bei denen Konzepte mit offenen Unterrichtsformen besonders gut abgeschnitten haben, ist das Bewusstsein für neue pädagogische Konzepte gestiegen.
Kein Wunder also, dass die Atelierarbeit an der Brüder-Grimm-Schule auch außerhalb der Schule auf großes Interesse stößt. Immer wieder kommen Besucher von Studienseminaren oder Hochschulen, um sich den Unterricht anzuschauen. Die DVD, die jetzt an der Schule offiziell präsentiert wurde, soll deshalb auch als Lehr- und Anschauungsmaterial dienen. "Ich hoffe, dass aus dieser zarten Pflanze viele Blüten sprießen werden", sagte Schulleiter Klaus Großmann bei der Präsentation, die er mit seiner Schulband musikalisch umrahmte. Die Atelierarbeit fördere nicht nur Selbständigkeit und Selbstbewusstsein, sondern auch Kreativität und soziale Kompetenzen. Die Schüler seien höchst motiviert, konzentriert und überaus teamfähig. Kompetenzen, die heute von der Wirtschaft immer mehr gefordert würden.
Bedenken, dass bei dieser Form des Unterrichts die Stoffvermittlung zu kurz kommen könnte, zerstreute der stellvertretende Schulleiter Lars Strömel. Der Unterrichtsstoff orientiere sich an den Rahmenplänen, zudem mache das Lernen in Ateliers nur einen Teil des Unterrichts aus. Doch gerade dieser Teil wirke sich sehr positiv auf die Schüler aus.

