Von Beate Schwenk
Am Wochenende war das Gelände rund um die Burgkirche fest in Ritterhand. Der erste Ingelheimer Mittelaltermarkt war ein echter Publikumsmagnet.
Zwei Tage lang bevölkerten Lagergruppen, Schwertkämpfer, Gaukler und Spielleute den historischen Kern Ober-Ingelheims. Rund 80 Stände, Werkstätten und Ritterlager waren aufgebaut. Zwischen Burgkirche und Festplatz wurde alles dargeboten, was das Herz eines Mittelalter-Fans höher schlagen lässt: angefangen bei Schwertern und Kettenhemden über Tierfelle und Lederwaren bis zu Edelsteinen und Keramik.
Hie und da konnten die Marktbesucher mittelalterlichen Handwerkern bei der Arbeit über die Schulter schauen. Vor allem die kleinen Ritter beobachteten mit großen Augen, wie es früher in der Schmiede, beim Steinmetz oder in der Handspinnerei zugegangen sein mag. Einige durften sogar selbst unter fachkundiger Aufsicht Hand anlegen.
Mancher Dreikäsehoch war zu seinem Leidwesen aber noch zu klein, um den schweren Hammer auf den Amboss schlagen zu dürfen. Zum Trost konnten sich die Knirpse dann in einer Edelsteingrube bei der Schatzsuche betätigen oder im Ritterlager Katapulte bestaunen.
Interessante Einblicke für Groß und Klein gab es auch bei Vorführungen über mittelalterliche Medizinkunst oder bei der Rüstungskunde im Lager der “Einherjer". Die Ingelheimer Schwertfechter, Organisatoren des mittelalterlichen Markttreibens, demonstrierten dem Publikum, mit welcher Ausrüstung ein Ritter anno dazumal in die Schlacht zu ziehen pflegte.
Auf drei Bühnen im Rosengarten, vor der Turnhalle und auf dem Festplatz gab es an beiden Tagen Programm am laufenden Band. Hier wurden mittelalterliche Duelle ausgefochten, Historienspiele aufgeführt oder Feuerspektakel zelebriert. Daneben ließen Musikanten, Gaukler, Marionettenspieler und Märchenerzähler das Mittelalter lebendig werden. Am Samstag und Sonntag führten die “Einherjer" ihr historisches Stück “Philipp von Ingelheim" auf, während die Gruppen “Dunkelschön" oder “Verres Arcis" mittelalterliche und keltische Live-Musik spielten. “Jomamakü" oder “Detlefocus Flammenus" warteten unterdessen mit artistischen Gaukeleien auf. Natürlich war auch das kulinarische Spektrum auf Mittelalter getrimmt: hier ein deftiger Ritterspieß und ein schmackhaftes Druidenbräu, dort ein Wegelagererbrot und ein Pfaffenglück.
Während das Wetter am Sonntag geradezu ideale Bedingungen für das historische Spektakel bot, hätte es den Organisatoren am Samstag fast die Stimmung verhagelt. Denn durch den Dauerregen hatte sich der Festplatz in eine Morastlandschaft verwandelt. Fieberhaft wurde nach einer Lösung gesucht. Mit mehreren Fuhren Splitt, die von einem Ingelheimer Unternehmer unentgeltlich angekarrt wurden, konnte das Gelände schließlich begehbar gemacht werden.
Als der Mittelaltermarkt um elf Uhr seine Tore öffnete, war der Platz trotz einiger Pfützen gut passierbar. Vor allem aber konnten Ritter, Gaukler und Spielleute ihre Darbietungen trockenen Fußes über die Bühne bringen.

